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Sämtlich in Berlin.

Nummer 22.

Berlin, den 15. November 1904.

IX. Jahrgang.

(Nachdruck der Entscheidungen nur mit genauer, onverkürzter Quellenangabe gestattet.)

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I. Reichsgericht.

1. Zivilsachen. Mitget. v. Justizrat Boyens, Rechtsanwalt b. Reichsgericht, Leipzig.

88. (Bedeutung der Feststellung einer Forderung im Konkurse, insbesondere gegenüber anderen Prätendenten der gleichen Forderung. $ $ 141 ff. Konk Ordn.) In einem Konkurse meldeten zwei Ebeleute, je in besonderer Anmeldung, die materiell gleiche Forderung aus Darlehen zum Konkurse an. Der Konkursverwalter hatte im Prüfungstermin den Anspruch des Mannes anerkannt, den der Ehefrau bestritten. Gegen die Feststellungsklage der Ehefrau, die behauptet, dass die Darlehen von ihr oder aus ihrem Vermögen gegeben seien, wendet der Konkursverwalter ein, dass durch die Feststellung des von dem Ehemann angemeldeten Anspruchs rechtskräftig für das Konkursverfahren auch der Ehefrau gegenüber feststehe, dass der Anspruch dem Ehemann zustehe und eine zweimalige Berücksichtigung derselben Forderung im Konkurse unzulässig sei. Die Vorinstanz hat, gestützt auf das Urteil des I. Senats v. 14. Dez. 1895 (Entsch. Bd. 37 S. 1 ff.), den Einwand für begründet erachtet und die Klage abgewiesen. RG. VI. Senat hebt auf: Der in dem erwähnten Urteil des I. Senats vertretenen Meinung könne nicht beigetreten werden. Es sei Sache des Konkursverwalters, die von mehreren Prätendenten angemeldete Forderung dem gegenüber anzuerkennen, dem sie in Wahrheit zustehe. Wenn er sich irre und die Forderung des nicht Berechtigten anerkenne, könne dies dem Berechtigten nicht präjudizieren Es sei dies nicht daraus herzuleiten, dass letzterer es selbst unterlassen habe, der Forderung des anderen Prätendenten im Prüfungstermin zu widersprechen, diese deshalb nach § 145 Abs. 2 KO. auch ihm gegenüber als rechtskräftig festgestellt gelte. Daraus folge nicht, dass er sich seine Ausschliessung aus der Konkursmasse gefallen lassen müsse. Den einzelnen Konkursgläubigern sei nur das Recht eingeräumt, zur Verhinderung unberechtigter Schmälerung ihrer eigenen Konkursdividende der Zulassung von Forderungen, die sie für unbegründet halten, zu widersprechen; sie handeln hier in eigenem Namen und in ihrem Interesse, nicht zur Wahrung ordnungsmässiger Verteilung der Masse überhaupt oder auch nur für die übrigen Konkursgläubiger. Dass nach § 147 KO. ein Urteil, das über den Widerspruch eines einzelnen Gläubigers entscheidet, zugleich gegenüber allen anderen Konkursgläubigern wirkt, beruhe nur auf der Unmöglichkeit, einem Gläubiger gegenüber einen oder mehrere andere an der Verhandlung teilnehmen zu lassen, gegenüber andern ihn aber auszuschliessen. Aus dem beschränklen Zweck des Widerspruchsrechts sei zu folgern, dass auch der Nichtausübung desselben keine weitere Bedeutung beizumessen sei, als die Zustimmung dazu, dass die von dem Gläubiger nicht bestrittenen Forderungen an der Verteilung der Masse teilnehmen und dadurch seine eigene Ausfallquote beeinflusst werde. Dem entsprechend sei auch der urteilsmässigen Bedeutung der Eintragung einer Forderung als einer festgestellten in die Tabelle keine weitere Tragweite beizumessen, als dass diese Forderung an der Verteilung teilnehme. Die entgegengesetzte Ansicht würde jeden einzelnen Gläubiger nötigen, um der möglichen Präklusion seines angemeldeten Anspruchs vorzubeugen, eine Prüfung sämtlicher Anmeldungen und deren Begründung vorzunehmen; sie führe also auch zu einem unpraktischen Resultate. Die Anrufung des Plenums sei nicht erforderlich, da die abweichende Meinung des ersten Senats nicht dezisiv gewesen sei. (Urt. VI. 309/03 v. 4. Juli 1904.)

89. (Verstösst das Abkaufen eines Bieters bei einer Zwangsversteigerung zu dem Zweck der Schädigung von Hypothekengläubigern gegen

die guten Sitten? 826 BGB.) Bei der Zwangsversteigerung eines Grundstücks in Bayern fielen mehrere Hypotheken, darunter die des Klägers, aus, weil der Ersteher (Beklagter) einen nach diesen Hypotheken rangierenden Hypothekengläubiger, der entschlossen war, seine Hypothek auszubieten, durch eine Abfindung von 3500 M. von dem Weiterbieten abgehalten hatte. Kläger behauptet, dass Bekl. dies Abkommen mit der Absicht oder doch mit dem Bewusstsein, ihn zu schädigen, getroffen habe, da ihm bekannt war, dass Kläger selbst ausserstande gewesen sei, seine Hypothek durch Mitbieten zu verteidigen. Er findet hierin einen Verstoss gegen die guten Sitten und erhebt Anspruch gegen den Bekl. auf Ersatz seines Ausfalls. Die Vorinstanz hat abgewiesen. RG. hebt auf und entscheidet, dass ein Verstoss gegen die guten Sitten vorliegen werde, wenn die Behauptungen des Kl. wahr seien. Von keiner Bedeutung sei, dass man bei der Beratung des jetzigen Reichs-Strafgesetzbuchs davon Abstand genommen habe, in dieses eine dem § 270 des preussischen Strafgesetzbuchs entsprechende Strafvorschrift aufzunehmen. Habe man eine Bestrafung nach den jetzigen Verkehrsverhältnissen nicht für angebracht erachtet, so beweise das nicht, dass man derartige Verträge nicht als unsittlich angesehen habe. Ob ein Vertrag den guten Sitten widerstreite, könne für die verschiedenen Beteiligten verschieden zu beantworten sein, wie der Senat schon in einem Fall angenommen, wo es sich um sogen. Schweigegeld bei einer straf baren Handlung handelte (Urt. v. 30. Mai 1904, abgedruckt Jur. Wochenschr. 1904 S. 404). Handle es sich hier um Beurteilung der Handlungsweise des beklagten Erstehers, so komme in Betracht, dass auch unter dem alten Recht in den Staaten, wo nicht, wie in Preussen, ausdrückliche Verbote bestanden, mehrfach angenommen wurde, dass es der öffentlichen Ordnung zuwiderlaufe und als unsittlich verwerfen sei, wenn jemand seines Vorteils halber, um einen öffentlicher Versteigerung stehenden Gegenstand billiger erwerben zu können, andere vom Mitbieten abhalte. Auf der anderen Seite sei in Literatur und Judikatur, insbesondere vom RG. für das gemeine Recht angenommen, dass derartige pacta nicht immer und prinzipiell als sittlich verwerflich zu erachten seien, vielmehr nur dann, wenn die besondere Beschaffenheit des Falles den Vertrag zu einem uosittlichen stemple. Auch wenn man nur der letzteren Ansicht folge, sei vorliegend die Handlungsweise des Beklagten als eine gegen die guten Sitten verstossende anzusehen. (Urt. VI. 514/03 v. 11. Juli 1904.)

90. (Kann die Haftung für Tierschäden durch einen Vertrag, durch welchen dem Beschädigten Aufsicht und Gewalt über das Tier anvertraut wird, als ausgeschlossen gelten? $ 833 BGB.) Kläger, gewerbsmässiger Trainer von Rennpferden, übernabm im Februar 1902 die Wartung, Pflege und das Trainieren eines dem verklagten Rennstallbesitzer gehörigen Pferdes. Als er mit dem vor einem Trainerwagen gespannten Pferd fuhr, wurde dieses scheu und ging durch, Kläger wurde aus dem Wagen geschleudert und verletzt, Wagen und Geschirr wurden beschädigt. Kläger klagt auf Grund des § 833 BGB. seinen Schaden gegen den Beklagten ein. Dieser wendet ein, dass die Haftung durch den gedachten Vertrag als ausgeschlossen anzusehen sei. Vorinstanz verurteilt, gestützt auf die reichsgerichtliche Entscheidung Bd. 50 S. 249 ff., wonach der Kutscher gegen seinen Herrn den Anspruch aus § 833 BGB. geltend machen könne, wenn ihn das Pferd unter seiner Obhut beschädige. RG. hebt auf und weist in die Voriostanz zurück. Ob und inwieweit die gesetzliche Haftung aus § 833 BGB. ausgeschlossen sei, wenn sich jemand vertragsmässig verpflichtet habe, gewisse. Verrichtungen an oder mit dem Tier vorzunehmen, und bei diesen Verrichtungen verletzt

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werde, sei nach dem Inhalt des Vertrages zu beurteilen. Wenn ein Kutscher während seiner Dienstverrichtung von einem Pferd verletzt werde, ohne dass ihn oder den Herrn ein Verschulden treffe, stebe die eingetretene Beschädigung ausserhalb der kontraktlichen Beziehungen. Der Kutscher (oder der Knecht) nehme dem Tier gegenüber eine unselbständige Stellung ein, er habe das Tier nicht unter seiner allein massgebenden Herrschaft, unterstehe der Aussicht des Herrn, müsse dessen Anweisungen befolgen und sei nur zu einzeinen Dienstleistungen an und auf dem Pferde verpflichtet. Anders sei die Stellung des Trainers, dessen Leistungen einen bestimmten Zweck, das Abrichten des Pferdes, verfolgen. Wie er diesen Zweck erreiche, sei seinem Ermessen und seiner Erfahrung überlassen; er bekomme das Pferd in seine Gewalt, dasselbe sei dem Einfluss des Tierbalters entzogen. Die grössere Gefahr gebe einen Anhalt für die Annahme, dass es in der Absicht der Vertragschliessenden gelegen habe, eine Haftung des Tierhalters für die Gefahren auszuschliessen, denen der Kläger bei Erfüllung seines Vertrages ausgesetzt sei. Die Gleichstellung des Trainers und des Kutschers sei daher rechtsirrig. Mit Unrecht sei um so mehr der erbotene Nachweis, dass nach der Verkehrssitte der Trainer die Gefahr trage, abgelehnt. (Urt. VI. 199/04 v. 13. Juli 1904.)

91. (Treu und Glauben verbieten, aus eigenem Verschulden — Fahrlässigkeit zum Nachteil eines anderen Vorteile herzuleiten. Anwendung bei dem Zugehen einer Willenserklärung, $ 130 BGB.) Bekl. hatte der Klägerin ein Vertragsangebot gemacht, die Annahmefrist verstrich am 9. April. Klägerin sandte eine Annahmeerklärung durch eingeschriebenen Brief an Bekl. ab, der erst am 10. April bestellt wurde. Bekl. will daher die Rechtzeitigkeit nicht anerkennen. Vorinstanz verurteilt, weil die Verspätung der Zustellung an den Beklagten zwar nicht arglistig vereitelt, aber doch verschuldet sei. Er musste damit rechnen, dass die Kl. ihre Erklärung eingeschrieben senden werde und wissen, dass nach der Postordnung ein eingeschriebener Brief nur an ein erwachsenes Familienmitglied oder an einen Bevollmächtigten bestellt werden konnte. Solche Personen waren aber zu der erheblichen Zeit in seiner Wohnung nicht anwesend, und nur deshalb ist der Brief verspätet bestellt. RG, weist die Revision zurück. Nach den &$ 162, 815 BGB. gilt eine Bedingung oder ein mit einer Leistung bezweckter Erfolg als eingetreten, wenn der Eintritt wider Treu und Glauben vereitelt ist. Diese Bestimmungen sind nicht Ausnahmevorschriften, sondern Einzelanwendungen des das BGB. beherrschenden Grundsatzes von Treu und Glauben. Ihre entsprechende Anwendung auf Fälle der vorliegenden Art ist daher geboten. Wer nun die Verspätung des Zugehens einer für ihn bestimmten Willenserklärung (fahrlässig) verschuldet hat, hat dadurch freilich nicht gegen Treu und Glauben verstossen, wohl aber handelt er gegen Treu und Glauben, wenn er aus seinem Verschulden zum Nachteil des anderen einen Vorteil herleiten will. (Urt. V. 48/04 v. 13. Juli 1904.)

Beleidigung Bestrafung fordert, nicht einzuräumen. (Urt. IV. 1340/04 v. 1. Juli 1904.)

68. ($ 259 StrGB. Ansich bringen.) Ungenagend ist die Feststellung des Tatbestandsmerkmals des Ansichbringens. Den Darlegungen des Urt. ist zu entnehmen, dass der Beschwerdeführer von der F. H., bevor sie die ihr auferlegte Strafe antrat, die gestohlenen Banknoten zur Verwahrung erhalten und hiervon während ihrer Strafverbüssung der Tausendmarkschein entnommen hat, um ihn zur Bezahlung seiner Spielschulden zu verwenden. Die Annahme der Banknoten zur Aufbewahrung möchte unter Umständen zur Begründung des Tatbestands der Begünstigung geeignet erscheinen, vielleicht auch als eine Verheimlichung i. S. des § 259 StrGB. aufgefasst werden können; ein Ansichbringen konnte in dieser Hand. lung nicht gefunden werden. Dafür, dass die F. H. dem Angekl. bei Uebergabe der Banknoten oder später gestattet hat, die verwahrten Bestände ganz oder teilweise für sich zu verwenden, bieten die Urteils-Gründe nicht den mindesten Anhalt. Das Ansichbringen erfordert neben der Erlangung der tatsächlichen Verfügungsgewalt noch die Willensübereinstimmung des Gebers und Nehmers dahin, dass der letztere befugt sein soll, über die Sache als eigene oder doch zu cigenen Zwecken zu verfügen. (Urt. Fer.-Sen. 3848/04 v. 11. Aug. 1904.)

69. (8 56 Z. 3 Str PO.) Das Sitzungsprotokoll enthält den Beschluss des Gerichts, die Vereidigung des Zeugen G. zu unterlassen, weil er verdächtig erscheine, dem Angekl. Begünstigung bei den in Frage kommenden Straftaten vorher zugesichert zu haben. Diese Begründung ist nicht geeignet, die Abstandnahme von der Beeidigung zu rechtfertigen. Als „Begünstiger“ ist, wie die Zusammenstellung mit dem Hehler und Teilnehmer in § 56 Z. 3 cit. ergibt, der Zeuge nur anzusehen, wenn er vor seiner Vernehmung eine unter den Begriff der Begünstigung fallende, nach § 257 StrGB, strafbare Handlung begangen bat. Die vor Begehung der Tat erfolgte Zusage der Begünstigung ist für sich allein keine Begünstigung im strafrechtl. Sinne. (Urt. Fer.-Sen. 3898,04 v. 11. Aug. 1904.)

70. (Zuständigkeit. $$ 9 und 10 MilStrGO.) Die prozessuale Rüge der sachl. Unzuständigkeit der Strask. ist verfehlt. Der Angekl. hat die Körperverletzung am 31. August, während er als Reservist zu einer militärischen Uebung eingezogen war, begangen und ist einige Wochen darauf in seine Heimat entlassen. Es steht daher nicht mehr der von der Revision angezogene $ %, sondern lediglich der § 10 der MilStrGO. in Frage, nach welchem durch die Beendigung des die Militärstralgerichtsbarkeit begründenden Verhältnisses hinsichtlich der vorher begangenen Handlungen die Zuständigkeit der Militärgerichte dann aufhört, wenn es sich um Zuwiderhandlungen gegen die allgemeinen Strafgesetze, die nicht mit einem militärischen Delikt zusammentreffen, handelt und nicht bereits auf militärischer Seite die Anklage erhoben oder eine Strafverfügung des Gerichtsherm zugestellt war. Die letzteren Voraussetzungen militärische Anklage oder Strafverfügung liegen nicht vor, die Straftat des Angekl. verstösst allein gegen die allgemeinen bürgerlichen Strafgesetze; für ihn war die Militärgerichtsbarkeit nur dadurch begründet, dass er als Person des Beurlaubtenstandes zu einer militärischen Uebung eingezogen war, und beendet war dies Verhältnis mit seiner Wiederentlassung. Der Angekl. unterstand daher allein der bürgerlichen Gerichtsbarkeit. (Urt. II. 6068/03 v. 16. Sept. 1904.)

II. Kammergericht.

Strafsachen.
Mitgeteilt vom Senatspräsidenten Lindenberg, Berlio.

48. (Zivilgerichtliche Festsetzung von Strafen gegen als Zeugen geladene, nicht erschienene Gendarmen.) Auf Grund des § 50 StrPO. ist der Zeuge Gendarm H. von der Strafk. zu Strafe und Kosten verurteilt und seine nachträgliche Entschuldigung für nicht genügend erachtet worden. Die Beschwerde der Staats

2. Strafsachen. Mitgeteilt von Reichsgerichtsrat Unger, Leipzig. 67. (Eingeschränkte Zurücknahme eines Strafantrag s.) Wenn der Antragsteller unzweifelhaft in dem Falle, in welchem eine Druckschrift oder ein sonstiges Schriftstück mehrere beleidigende Behauptungen enthält, berechtigt ist, seinen Antrag auf bestimmte Sätze desselben zu beschränken und zu erklären, dass er eine Strafverfolgung wegen noch anderer nicht wolle (Entsch. in Strafs. Bd. 24 S. 14), so muss ihm folgeweise auch das Recht zustehen, den gestellten Strafantrag, soweit er die Verfolgung einer bestimmten beleidigenden Aeusserung bezweckt, zurückzunehmen, wegen der übrigen ehrenkränkenden Auslassungen aber die Bestrafung des Schuldigen zu verlangen. Geht man hiervon aus, so ist der nur die zweite beleidigende Behauptung betreffenden Rücknahmeerklärung ein Einfluss auf die Wirksamkeit des Strafantrags, soweit er wegen der an erster Stelle erwähnten

anwaltschaft macht lediglich geltend, dass die Strafk. nach § 50 Abs. 4 StrPO. zur Festsetzung der Ordnungsstrafe nicht zuständig gewesen sei. Die Beschwerde ist zurückgewiesen worden. § 50 Abs. 4 spricht von Personen, die dem aktiven Heere angehören. Dass dieser Ausdruck, wenn man ihn in seinem gewöhnlichen Wortsinn auffasst, die Gendarmen, welche nicht im Heere tätig sind, nicht mitumfasst, kann nicht zweifelhaft sein. Die StrPO. steht auf dem Standpunkte, dass bei Ladungen von Zeugen, die aktive Militärpersonen sind, nur der militärische Vorgesetzte die dienstliche Abkömmlichkeit des Geladenen herbeiführen könne. So erklärt sich die Vorschrift des § 48 Abs. 2 Str PO. (vgl. Hahn-Siegemann, Materialien z. StrPO. S. 109). Und die Vorschrift des § 50 Abs. 4 beruht auf der ähnlichen Erwägung, dass über die Frage, ob ein solcher Zeuge ohne Entschuldigung nicht erschienen sei, das Militärgericht (Gerichtsherr) besser und leichter entscheiden könne als das Zivilgericht, da jenes die Tätigkeit des Zeugen besser zu überblicken imstande sei (Löwe, Anm. 22 zu § 50 StrPO.). Bei dem Gendarmen sind diese Voraussetzungen in der Regel nicht vorhanden. Daher könnten die Gendarmen nur dann zu den im § 50 Abs. 4 erwähnten Militärpersonen gerechnet werden, wenn irgend eine andere Bestimmung dies deutlich erkennbar machte. An einer solchen fehlt es aber. Im Gegenteil folgt aus der Aufzählung in § 38 Reichsmilitärges. v. 2. Mai 1874, wo die Gendarmen nicht erwähnt werden, dass diese, wenigstens im Sinne des Militärges., dem aktiven Heere nicht angehörig sind. Darum geht auch die allgemein verbreitete Ansicht dahin, dass die Vorschriften der $$ 48 Abs. 2 u. 50 Abs. 4 StrPO. und die gleichlautenden in SS 378 und 380 Abs. 4 ZPO. auf Gendarmen sich nicht beziehen (vgl. John, StrPO. Bd. I S. 525 Anm. 3, Struckmann u. Koch, ZPO. § 378 Anm. 2, v. Wilmowski u. Levy, ZPO. § 378 Anm. 1, Fuchs in Goltd. Archiv Bd. 28 S. 169). Mit Unrecht beruft sich die Beschwerde auf § 2 Abs. 3 EG. zur MilStrGO. v. 1. Dez. 1898. Wenn hier für nötig gehalten ist, bezüglich der Mitglieder des Landgendarmeriekorps zu erklären, dass sie in gewisser Hinsicht („insoweit“) im Sinne der MilStrGO. als Personen des Soldatenstandes des aktives Heeres „gelten“, so ist damit gerade zum Ausdruck gebracht, dass sie an sich nicht zum aktiven Heer gehören, dass sie nur so behandelt werden sollen (und nur für die MilStrGO.), als ob sie dazu gehörten. (Beschl. W. 551/04 v. 27. Juni 1904.)

49. (Entschuldigung von Schulversäumnissen.) Die in Frage stehende Regierungsverordnung ist eine Ausführungsverordnung zu § 48 II 12 ALR. Nach dieser Bestimmung liegt es den Schulaufsehern ob, unter Beistand der Obrigkeit darauf zu sehen, dass alle schulpflichtigen Kinder erforderlichenfalls durch Zwangsmittel und Bestrafung der nachlässigen Eltern zum Besuche der Lehrstunden angebalten werden. Wenn nun die Regierungsverordnung bestimmt, dass Schulversäumnisse, für die weder vorher die Erlaubnis eingeholt noch binnen 3 Tagen eine ausreichende Entschuldigung nachgebracht ist, an den Personen, deren Obhut die schulpflichtigen Kinder unterstellt sind, mit bestimmten Strafen geahndet werden sollen, so kann diese Vorschrift, da sie nur soweit gültig ist, als sie mit § 48 II 12 ALR. in Einklang steht, nur dahin verstanden werden, dass Bestrafung dann eintreten soll, wenn die Schulversäumnis auf einer Vernachlässigung der Pflicht beruht, die Kinder zu regelmässigem Schulbesuch anzuhalten. Angekl. hat seinen Sohn von der Schule zurückgehalten, weil ihm der Kreisarzt erklärt hatte, der Sohn dürfe die Schule wegen der infolge typhöser Erkrankung seiner Mutter bestehenden Ansteckungsgefahr nicht besuchen. Angekl. war deshalb nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet, seinen Sohn von der Schule fernzuhalten. Dadurch, dass Angekl. bei dem Rektor der Schule nicht die Erlaubnis zur Schulversäumnis nachgesucht, hat er zwar gegen eine Vorschrift der Regierungsverordnung verstossen; eine Bestrafung kann aber nicht erfolgen, weil die Verordnung mit dem Allg. Landrecht in Widerspruch steht. (Urt. S. 658/04 v. 27. Juni 1904.)

III. Preussisches Oberverwaltungsgericht.

A. I.-IV. u. VIII. Senat. Mitget. v. Senatspräsidenten des OVG. Dr. Schultzenstein, Berlin.

97. (Behörde als Partei.) Die Klage gegen die Heranziehung zu einem Anliegerbeitrag ist gemäss § 70 Abs. 2 des Kommupalabgabenges. v. 14. Juli 1893 gegen einen Beschluss des Gemeindevorstandes gerichtet. Bei ihr hat der Gemeindevorstand (Magistrat), der den Beschluss als Behörde erlässt, auch als Behörde die Rolle des Beklagten zu übernehmen. Wenn der Kläger meint, dass der Magistrat nur als Vertreter der Stadtgemeinde beklagt werden könne, so übersieht er, dass auch anderweitig im Verwaltungsstreitverfahren ungemein häufig Behörden, welche überhaupt keine juristische Person vertreten, z. B. die Polizeibehörden, zur Verteidigung ihrer amtlichen Handlungen als Parteien, und zwar in der Regel als Beklagte, aufzutreten haben. (Urt. IV. 602 v. 28. April 1904.)

98. (Rückfällig Kranke.) Im Sinne des § 6a No. 3 und des § 26a No. 3 des Krankenversicherungsges. sind die nächsten 12 Monate, inperbalb deren die Krankenunterstützung nur im gesetzlichen Mindestbetrag und nur für 13 Wochen zu gewäbren ist, wenn sie wegen der gleichen, nicht gehobenen Krankheitsursache bereits für 13 (jetzt 26) Wochen ununterbrochen oder im Laufe eines Zeitraumes von 12 Monaten gewährt war, nicht vom Beginn des neuen Unterstützungsfalls zurück, sondern vom Ablauf der vorausgegangenen Unterstützung ab zu berechnen. (Urt. III. 426 v. 5. Mai 1904.)

99. (Strassen- und Häuserbezeichnung.) Die Bezeichnung der Strassen eines Ortes mit Namen und der einzelnen Wohngebäude mit Nummern dient nicht lediglich zur Erleichterung des Verkehrs auf der Strasse, sondern bezweckt eine Individualisierung der einzelnen Wohngebäude, die eine unentbehrliche Voraussetzung für das Zusammenleben einer grösseren Anzahl von Menschen an einem Orte, ihren amtlichen, gewerblichen und geselligen Verkehr ist. Sie soll das Auffinden eines bestimmten Wohngebäudes erleichtern (vgl. Entsch. d. OVG. Bd. 28 S. 92), insbesondere aber auch die Grundlage für die Verteilung der auf den Gebäuden ruhenden Einquartierungslast abgeben („Servisnummer“). Sie erfolgt daber durch die Polizeibebörde im öffentlichen Interesse und bildet einen Teil der von der Ortspolizeibehörde aufrecht zu erhaltenden öffentlichen Ordnung. Zur Erkennbarkeit dieser Bezeichnungen im öffentlichen Verkehr, sei er ein amtlicher oder privater, erfolgt die Anbringung von Schildern an den Strassenecken, die den Strassennamen tragen, und von Nummern an den Häusern durch die Polizei oder durch die Hausbesitzer auf Anordnung der Polizei. Die Befugnis, diese Bezeichnungen (Namen und Nummern) zu bestimmen, steht der Polizei ausschliesslich zu. Wird in diese Befugnis auch nicht dadurch eingegriffen und die öffentliche Ordnung auf dem Gebiete der Strassenbezeichnung auch nicht dadurch gestört, wenn jemand die amtlichen Bezeichnungen auf Schildern oder in anderer Weise, die sie dem Publikum erkennbar macht, wiederholt, so widerstreitet es der öffentlichen Ordnung, wenn

er eine andere Bezeichnung der Strasse oder des Hauses, als sie ihnen nach der amtlichen Bestimmung der Polizei zukommt, an oder neben dem Hause oder auf der Strasse anbringt. Auch dann, wenn die Beschaffenheit des Schildes jede Verwechslung mit einem amtlich angebrachten ausschliesst, wird doch hierdurch der Anschein erweckt, als ob diese Bezeichnung der Strasse oder dem Hause im öffentlichen Verkehr zukomme, und hierdurch die öffentliche Ordnung gestört. Unerheblich ist es dabei, welcher Sprache dieser Name angehört, ob der deutschen oder polnischen; entscheidend ist vielmehr, dass er ein anderer war als der amtliche. (Urt. I. 631 v. 13. Mai 1904.)

100. (Fürsorgeerziehung.) Die Kosten, welche einer Polizeibehörde durch die infolge eines Beschlusses auf vorläufige Unterbringung in Fürsorgeerziehung bewirkte Ueberführung in eine Erziehungsanstalt erwachsen sind (§ 5 des Fürsorgeerziehungsges. v. 2. Juli 1900),

zu.

sind von dem zur Ausführung der Fürsorgeerziehung ver- der $$ 41, 36 der Verordn. v. 26. Dez. 1808 auch auf pflichteten Kommunalverbande zu erstatten. (Urt. I. 633 andere öffentliche Abgaben, insbesondere die Gemeindev. 13. Mai 1904.)

abgaben, Anwendung fand. Eine Ausnahme machten nur

die Fälle des § 79 II, 14 ALR. und die $$ 9, 10 des B. V.–VII. Senat (Staatssteuersachen).

Ges. v. 4. Mai 1861. Diese Ausnahmen sind durch § 160

Zust.-Ges. v. 1. Aug. 1883 beseitigt, und durch § 18 Jas. Mitgeteilt vom Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Fuisting, Senatspräsidenten des Oberverwaltungsgerichts, Berlin,

ist die Entscheidung über Beschwerden und Einsprüche,

betr. die Heranziehung oder Veranlagung den Gemeinde(Gewerbesteuersachen.)

lasten, schlechthin dem Gemeindevorstande übertragen, 101. (Die Nachbesteuerung nach § 78 Gewerbe- gegen dessen Entscheidung die Klage im Verwaltungssteuer-Ges.) setzt das nachträgliche Bekanntwerden neuer,

streitverfahren stattfindet. An die Stelle dieser Vordie Veranlagung rechtfertigender Tatsachen voraus. Es ist

schriften sind nunmehr die inbaltlich gleichen Bestimmungen unerheblich, dass es an der Bestimmung eines Veranlagungs

der $$ 69, 70 Kommunalabgabenges. v. 14. Juli 1893 gebezirkes (§ 17 Abs. 5 a. a. 0.) fehlte. Denn es wäre Sache

treten. Danach steht dem Abgabenpflichtigen gegen die der beteiligten Veranlagungsbehörden gewesen, rechtzeitig

„Heranziehung“ zu Gebühren, Beiträgen, Steuern und die ersorderliche ministerielle Bestimmung herbeizuführen.

Naturaldiensten der Einspruch an den Gemeindevorstand Die Feststellung der Verkürzung kann nur durch die für

Der Wortlaut des Gesetzes gestattet keinen Zweifel die Nachbesteuerung zuständige Bebörde erfolgen. (Urt.

darüber, dass zur Anwendung der Vorschrift lediglich die VI. G. 404 v. 4. Febr. 1904.)

Tatsache genügt, dass die Forderung als eine öffent102. (Die Führung von Büchern) für bestimmte

lichrechtliche Leistung in Anspruch genommen Geschäftsleute auf Grund getroffener Vereinbarungen gegen

ist. Ist das der Fall, so kommt es auf die Art der Verfeste Vergütungen ist eine auf Dienstverträgen beruhende

teidigung des Pflichtigen nicht an. Die Entscheidung, ob Tätigkeit, aber kein selbständiger Gewerbebetrieb. (Urt. eine Verpflichtung besteht, kann nur im Verwaltungswege VI. G. 243 v. 4. Febr. 1904.)

erfolgen, und es kann deshalb auch nur hier, und nicht 103. (Kunst- und Handelsgärtnerei.) Da der

im ordentlichen Rechtswege, darüber entschieden werden, Betrieb der Baumschule nach der Eintragung in das Han

ob dieselbe im kommunalen Abgabenrecht wurzelt oder delsregister gemäss § 5 HGB. als Handelsgewerbe er

auf einem privatrechtlichen Titel beruht. Damit ist für scheint und auch tatsächlich eine kaufmännische Einrich

das Gemeindeabgabenrecht nunmehr derjenige Zustand als tung hat, so ist er zwar als Handelsgärtnerei anzusehen.

gesetzlicher herbeigeführt, der in der Praxis bereits auf Zur Begründung der Gewerbesteuerpflicht gehört aber nach

Grund der $$ 78, 79 II 14 ALR. anerkannt war. (Vgl. § 4 No. 1 GewSiG., dass der Betrieb einheitlich als Kunst

JMBI. 1854 S. 45, 1855 S. 58; RG. 35 S. 248, 36 S. 289: und Handelsgärtnerei erscheint. Die dazu erforderlichen

Gruchot 31 S. 1052; OVG. 20 S. 64; Pr. Verwaltungsbl

. Merkmale treffen bei dem Gesamtbetriebe nicht zu. Denn

22 S. 615, 10). (Urt. Pr. L. 2524 v. 26. März 1904.) die dazu gehörigen besonderen technischen Einrichtungen erscheinen im Verhältnisse zu dem Umfange des Gesamt

V. Sächsisches Oberverwaltungsgericht. betriebes unerheblich und von untergeordneter Bedeutung.

I. Senat. Auch ist nirgends behauptet, dass besondere künstliche

Mitgeteilt von Oberverwaltungsgerichtsrat Hecht, Dresden. Methoden bei der Aufzucht und Behandlung der Pflanzen befolgt würden. Dass die Betriebsinhaber und ihre Ge- 19. (Die Rücknahme der Einwilligung des hilfen die zum Betriebe einer Baumschule und zur Aus- Mannes zum Getrenntleben der Frau) pach § 17 Unterführung der Arbeiten nötige fachmännische Kenntnis und stützungswohnsitz-Ges. braucht zwar keine ausdrückliche Schulung haben, macht diesen Betrieb noch nicht zu einem zu sein, sie wird aber durch vorübergehende ZusammenKunstbetriebe. Fällt hiernach der Gesamtbetrieb nicht künfte der getrennt lebenden Ehegatten nicht ersetzt und unter den Begriff der Kunst- und Handelsgärtnerei im

ist nur dann angezeigt, wenn aus den begleitenden UmSinne des § 4 Ziffer 1 a. a. O., so darf sich die daraus zu

ständen der ernste Wille des Mannes erhellt, ein ferneres folgernde Gewerbesteuerfreiheit doch nicht auf den Teil

Getrenntleben seiner Frau nicht mehr zu dulden. Erst des Handels erstrecken, der mit fremden Produkten be- von da an erlischt die armenrechtliche Selbständigkeit der trieben wird. (Urt. VI. G. 402 v. 18. Febr. 1904.)

Fran. (Urt. I. 166 v. 12. Nov. 1902.)

20. (Einwendungen gegen eine gewerbliche

Anlage nach § 17 ff. GewO.) sind nur gegen die geIV. Preuss. Gerichtshof zur Entscheidung

plante, nicht aber gegen die bereits ausgelührte Anlage der Kompetenzkonflikte.

zulässig. Denn es ist begrifflich undenkbar, der Errichtung Mitgeteilt von Kammergerichtsrat Falkmann, Berlin.

einer Anlage zu widersprechen, die tatsächlich bereits be

stebt. Hatte der Widersprechende seine Einwendungen 3. (Für die Rückforderung des auf Grund mit Vorbehalt der jederzeitigen Erneuerung zurückgezogen, eines privatrechtlichen Rechtsverhältnisses an so ist ein solcher Vorbehalt der bereits ausgeführten Aneine Gemeinde Gezahlten ist der Rechtsweg aus- lage gegenüber wirkungslos, da der Widersprechende nicht geschlossen, sofern das Gezahlte als öffentliche in der Lage ist, seiner Erklärung durch einseitigen WillensAbgabe eingefordert ist.) Eine Gemeinde hatte auf akt eine Tragweite beizulegen, die ihr rechtlich nicht zuGrund einer von der Regierung genehmigten Steuer- kommen kann. (Urt. I 297 v. 31. Dez. 1902.) ordnung die Kosten der von ihr für Rechnung der Haus

21. (Mechanische Schnellphotographie in eigentümer hergestellten Anschlüsse an die städtische einem Schanklokal an Sonn- und Feiertagen.) Wasserleitung in näher bestimmten Raten zugleich mit Ein Polizeierlass, durch welchen die gewerbsmässige Aufden Steuern als öffentliche Abgaben eingefordert. Das stellung und Benutzung eines mechanischen SchnellphotoOVG. hat derartige Ansprüche der Stadtgemeinden für graphen in einem Schanklokale an Sonn- und Feiertagen privatrechtliche erklärt (Entsch. 37 S. 90). Trotzdem wurde ausserhalb der freigegebenen Zeit untersagt wird, hat nicht auf die Klage eines Hauseigentümers, welcher die von die Eigenschaft eines Polizeiverbots, sondern nur die Beihm eingezogenen Raten zurückforderte, weil nur der Vor- deutung einer Verständigung. Er erzeugt für den dadurch besitzer, welcher mit der Stadt über den Hausanschluss Betroffenen keinerlei besondere Gehorsamspflichten und kontrahiert habe, zur Zahlung verpflichtet sei, der Rechts- fordert von ihm kein Tun oder Unterlassen, das weiter weg für unzulässig erklärt. Ueber die Verbindlichkeit ginge, als das Gesetz vorschreibt. Wenn der einzelne zur Entrichtung allgemeiner Anlagen schloss bereits $ 78 dem Polizeierlasse zuwiderhandelt, so ist für die Frage, ob II 14 ALR, den Rechtsweg aus, welche Vorschrift nach seine Tätigkeit ungesetzlich ist, der Strafrichter, nicht aber der Rechtsprechung der höchsten Gerichtshöfe auf Grund die Polizeibehörde zuständig. (Urt. I. 324 v. 10. Jan. 1903.) Für die Redaktion verantwortlicb: Otto Liebmann. Verlag von Otto Liebmann. Druck von Pass & Garleb.

Sämtlich in Berlin.

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