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1 Stück.

Stücke. Lange vor Philon hat Aristobulus diese Bahn betreten, wie aus dem IV. Buche des Ori genes wider den Celsus erhellet. Selbst der Ho. hepriester Eleazar hat ein Werk von dieser Art hinterlassen, aus welchem Eusebius im VIII. Buche seiner evangelischen Vorbereitung einige Stücke anführt. Anatolius gedenket eines andern unge: nannten Allegoristen, der zwischen dem Aristobulus, das ist, den Zeiten der ersten ptolemäischen Könige in Egypten, und dem Philo gelebt hat. Ja Philo selbst meldet, daß die allegorische Art die Schrift auszulegen, bey den Essenern in grossen Aufnehmen sey. Wie sie nun mit dem Philo nicht aufkam, so gieng sie auch mit ihm nicht unter. Paulus und Barnabas haben ihre Allegorien, nicht zwar aus dem Philo unmittelbar, aber doch aus einer und derselben Quelle mit ihm geschöpfet. Jene sind mit diesen in gleichem Falle. Verdient Philo dieserhalb getadelt zu werden, so sind die Apostel seine Mitschuldigen. Beym Philo wer den wenig, so weithergeholte und erzwungene Allegorien seyn, als die vom Berge Sinai und der Hagar in der Epistel an die Galater ist. Diese Stelle ist so dunkel und anstössig, daß man sie anders nicht retten kan, als wenn man sagt, sie sey eine Randglosse und ein Zusaß von einem Abschreiber. So wenig sich alles allegorisch deuten lässt, so wenig lässt sich auch alles ohne Ausnahme buchstäblich verstehen. Die Mittelstrasse in diesem Stücke ist die sicherste und beste. Und der ist Philo nachgegangen. Hat er gleich die allegorische B 1.

Ausa

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Auslegung der buchstäblichen vorgezogen, so hat er die lehtere doch auch nicht gänzlich aus den Augen gefeßt. Vielen, sage Hr. Mangen, wird Philons Auslegung der Geschichte der Schlange und der Eva nicht recht seyn. Aber wer die Erzählung Mosis vom Falle der ersten Menschen buchstäblich versteht, der mus die Würde der heiligen Schrift nothwendig sehr herunter sehen.

So viel von Philons Glaubenslehren. Was seine Philosophie anlangt, so hat man ihn zeither, und das mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit, für einen Platoniker gehalten. Die Alten trugen sich schon mit dem Spruche vel Plato philonizat, vel Philo platonizat. Die Aehnlichkeit zwischen ihm und dem Plato thut sich nicht nur in der Schreib. art, sondern auch noch vielmehr in den Gedanken und den Lehrfäßen hervor. Plato hat von den Juden gelernet, und Philo hat jenen fleissig gele. sen, wie Herr Mangey mit einigen Beyspielen erweiset.

3. E. Plato behauptet, die Vollkommenheit des Menschen bestehe lediglich in der Gleichheit mit Gott. Eben das lehrt Philo auch. Der griechische Weise will, daß die Tugend zwar an und für sich den Menschen allein glücklich machen könne; aber der äusserlichen Leibes- und Glücks, gaben könne er dabey doch nicht, als nöthiger Werkzeuge, entbehren. Eben das hält auch Philo dafür. Den Sah, die Welt sey von niederern Kräften oder mächtigen Wesen nach dem Muster der unsichtbaren Vorbilder (idearum) gebildet und gebaut worden, hat er dem Plato von Wort

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zu Worte nachgesagt, und aus dessen Timaco entlehnet. Er behauptet, daß die Seelen vor ih ren Körpern gewesen, und daß sie aus einem Körper in den andern fahren, daß die Sterne geisti ge Wesen sind, eben sowohl als die Welt selbst es ist. Das sind alles Meynungen aus der pla tonischen oder pythagoräischen Schule. Nun weiß man aber, daß die Pythagoråer und Platoniker in vielen Stücken mit einander übereinkommen. Doch hat Philo sich schlechterdings an den Plato nicht gebunden, sondern auch von den andern Schus len, was ihm anstand, angenommen. So spricht er z. Er. den Stoikern den seltsamen Spruch nach, der ihnen so manchen bittern Scherz zugezogen hat : Der Weise sen auch ohne Vermögen König und Fürst. Niemand sey frey, als der Weise. Das Löbliche und Wohlanståndige sey allein für ein Gut zu halten. Ja zuweilen nimmt Philo gar das Ansehen eines Pyrrhonikers oder Zweiflers an. Diesemnach müsste Philo nicht sowohl ein Platonis fer, als ein Eclecticus gewesen seyn. Man hat um so viel mehr Ursache dieses zu vermuthen, da die eclectische Sekte zu Philons Zeiten Mode war, und die Platonische dagegen samt der Aristotelischen ganz eingegangen war, auch nicht eher wieder empor kam, als im III. Jahrhunderte nach C. G. unter dem Kayser Gallieno.

Da die Lehre von dem Aoyw oder Worte, viele auf die Vermuthung gebracht hat, Philo habe dieselbe vom Plato entlehnt, so giebt Herr Mangen

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Mangen sich die Mühe, was hieran sey, gründlich zu untersuchen, die Begriffe beyder Schriftsteller von dem Worte in ein helles Licht zu sehen, den grossen Unterschied der zwischen beyden sich hervor thut, zu zeigen, und darzuthun, daß Philo seine Lehre aus der heiligen Schrift und der Sage der alten jüdischen Kirche, nicht aber vom Plato genommen habe. Eine solche Untersuchung ist für die Wahrheit des christlichen Glaubens wichtig. Sie mus denselben sehr bestårken, wenn fie erweisen kan, daß, was die Evangelisten und Apostel von dem ewigen Worte lehren, lange zus vor in der jüdischen Kirche, und unter andern auch vom Philo gelehrt worden sey. Das sind fürch terliche Waffen wider die heutigen Jüden und Socinianer. Herr Mangen beweist seinen Sah auf folgende Weise:

Philo lehrt von dem Worte, (wir müssen uns so lange mit einem so unvollkommenen Worte behelfen, bis die deutsche Sprache ein bequemers ausfindig macht, das das Wort óyos in seiner völligen Stärke und Umfange ausdruckt,) Philo lehrt demnach, daß das Wort eine wesentliche und wirkende Person sey. Er nennt es das ursprüngliche Vorbild, nach dem andere Dinge gebildet worden, ideam idearum, das Bild aller Bilder. Nun aber brauchen die Alten das Wort idea zu weilen an statt fubftantia und perfonalitas. Das Wort Adyos bedeutet bey ihuen auch zuweilen so viel als ein geistiges denkendes Wesen. So heif sen beym Philo die Engel Gottes seine Aoyoi.

Daß

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Daß Philo das Wort nicht als eine blosse Eigen. schaft Gottes, sondern als etwas persönlich von ihm unterschiednes betrachtet habe, erhellet aus seinen sehr kräftigen Ausdrücken Dei filius primogenitus, Dei fupremi inago, mundi vniuerfi conditor, Deus fecundus & omnifcius, u. d. m. Er legt diesem Sohne Gottes alle in der Schrift erwähnten göttlichen Erscheinungen bey. So soll es das Wort, oder der Sohn Gottes gewesen seyn, der dem Abraham im Hayn Mamre, und dem Moses im brennenden Busche erschien. Ueberdem legt er ihm auch alle göttliche Eigenschaften ben. Er schreibt so von ihm, daß Johannes der Evangelist nicht anders thun könnte. Der einzi ge Unterschied zwischen beyden in Ansehung dieser Lehre ist dieser, daß Philo ein wenig dunkel und allegorisch davon spricht, Johannes aber, der für das gemeine Volk schrieb, sich deutlicher ausdruckt. Beyde aber hatten diese Lehre nicht von sich, sondern von ihren Våtern, und sie ward in den jüdi. schen Schulen öffentlich vorgetragen. Zuweilen scheint zwar Philo die Göttlichkeit des Wortes ein wenig zu tief herunter zu sehen; und das darf uns kein Wunder nehmen. Er allegorisirte, und diejenigen, die so schreiben, bleiben nicht immer auf einerley Sprache, und, was das meiste, er war ein Jude, den der Geist Gottes nicht erleuchtet hatte. Wenigstens werden die Arria. ner wenig Trost bey ihm finden, ja sie werden viel eher läugnen, daß die Schriften von ihm sind, die man ihm beylegt, als ihn zu einem Zeugen der Wahr

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