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Eine alte ziemlich verfallene Mauer, und ein brei. ter Graben, der iko meistens in Gårten verwandelt ist, umgeben die Stadt, deren Umfang ohnge fehr vierthalb englische Meilen betragen mag. Mit den Vorstädten möchte er wohl sieben Meilen seyn. Man braucht nämlich ordentlich zwo Stunden und vier Minuten um die Stadt spazieren zu rei. ten. Wenigstens vier bis fünf Meilen um Aleppo ist der Grund sehr steinig und uneben voll kleiner Erhöhungen. Von Westfüdwest bis Nordwest gen Westen erstreckt sich diese Art von Erdreiche wenigstens auf 20 Meilen mit Untermischung kleiner fruchtbarer Ebenen. Nordwärts und Süd. wärts wird das Land nach sechs bis sieben Meilen eben, und ist nicht mehr steinig. Ostwärts fångt sich eine weite Ebene an, die man die Wüste nennet, ob sie gleich viele Meilen über Aleppo einen schönen fruchtbaren Boden hat. Der Flus Coic der alten Singas, welcher kaum 18 bis 24 Fus breit ist, gehet längst dem westlichen Theile der Stadt wenige Mards von den Mauern hin, und hat kaum Wasser genug, einige Gårten an feis nen Ufern zu versorgen. Höhere Gegenden, wohin sich das Wasser nicht leiten låsset, sind leer, oder zu Weinbergen, mit Delbäumen, Feigen und Pistacienbäumen angelegt. Dieser Strohm, und diese Gårten enthalten fast das einzige Waffer, und die einzigen Bäume, die auf 20 Meilen *) € 2

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* Fünf englische Meilen gehen ohngefähr auf eine Meile wie sie in Sachsen gebräuchlich ist. Ein Yard ist drey englische Fus.

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um die Stadt herum anzutreffen sind, denn die Dörfer sind alle ohne Bäume, und die meisten fammlen nur Regenwasser in Cisterne. Die Breite von Aleppo hat ein französischer geschickter Mathematikverständiger, den der Verfasser aber nicht nennet, 36° 12′ N. im Jahr 1753 ge funden. Die Länge soll 37° 20′ ostwärts von London seyn. Von der See liegt die Stadt gerade zu ohngefehr 60 Meilen, und merklich darüber erhoben. Die Jahreszeiten sind in diesem Lante überhaupt zu reden sehr ordentlich, zumal zu Aleppo, wo die Luft ordentlich sehr gefund, und von Dünsten so rein und frey ist, daß alle und jede Einwohner vom Ende des Mayes bis zur Mitte des Septembers in ihren Höfen die Abendmahlzeit halten und darinnen schlafen, oder sol ches oben auf ihren Häusern verrichten, wo sie der freyen Luft ausgeseht sind. Die Strenge des Winters rechnen sie nur auf 40 Tage, vom 12 Dec. bis zum 20 Jan. Während dieser Zeit ist die Luft ungemein durchdringend, zumal für Frem de, wenn selbige gleich auch aus einer kalten Gegend kommen. In den dreyzehn Jahren, da sich der Verfasser daselbst aufgehalten, ist das Eis nicht über dreymal stark genug gewesen,einen Mann zu tragen, und dieses noch dazu, wo es die Son nenstrahlen nie getroffen hatten. Der Schnee ist, drey Jahr ausgenommen, nie über einen Tag liegen geblieben, und im tiefsten Winter ist es bey Windstille, im Sonnenscheine warm, ja gar heis. In dieser Witterung blühen Narciffen und

Hyacinthen; und Veilchen kommen aufs späteste zum Vorschein, ehe sie vorüber ist. Im Hornung werden die Felder schon völlig grün, die Bäume bleiben bis zum Ende des Mondes Laublos, aber der Mandelbaum blühet aufs späteste vor seiner Mitte, und Abricosen, Pfirschen folgen ihm bald nach. Dieser angenehme Frühling hat keine Feh ler, als seine Kürze, weil im April schon der Sommer herzueilet. Vor dem Ende dieses Monats sieht das Land so verbrannt und dürre aus, daß man es nicht für fähig halten sollte, etwas hervor zubringen, als die wenigen starken Pflanzen, wel che diese Hiße aushalten. Von dieser Zeit an fällt nicht ein erfrischender Regen, und kaum eine Wolke zeigt sich, die vor der unerträglichen Hiße beschirmete, bis in das Mittel des Herbstmonats, da die Luft ordentlich durch ein wenig Regen er frischt wird, von welchem bis zum zweyten Regen wenigstens 20 bis 30 Tage ben gemåssigter, heiterer, und sehr angenehmer Witterung vergehen; und wenn die Regen auch von kurzer Dauer, nur häufig, gewesen sind, so nimmt das Land bald ein neues Ansehen an. Nach dem zweyten Regen wird das Wetter veränderlich, und der Winter nähert sich nach und nach, nicht so schnell als der Sommer, denn die meisten Bäume behalten ihr Laub bis in die Mitte des Novembers, und auch die frostigsten Leute brauchen nicht eher Feuer, als bis am Ende dieses Monats; einige verbringen den ganzen Winter ohne Feuerung. Windstürme sind selten.

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Ein ansehnlicher Theil des Landes liegt unge. bauet, weil die Tyranney der Regierung, und die Unsicherheit des Eigenthums die Einwohner verdrossen macht. In Absicht auf künftigen Feldbau, lassen sie wenig brache liegen, auch düngen sie nicht sehr. Sie fangen um das Ende des Herbstmonats zu pflügen an, und fåen ihren frühesten Weizen um die Mitte des Octobers. Der Frost ist niemals strenge genug, daß er sie hindern sollte, den ganzen Winter durch zu pflügen, so, daß sie alle Arten von Getreide gegen das Ende des Jånners, und Gerste zuweilen nach dem Mittel des Hornungs såen. Keine Ege wird nicht gebrauchet, sondern man pflüget den Grund, nachdem er besået ist, das zweyte mal, die Einfaat dadurch zu bedecken; an einigen Stellen, wo der Boden etwas sandig ist, pflügen sie nur einmal, und zwar nach dem Såen. Der Pflug ist so leichte, daß ein Mann von mittelmässiger Stärke ihn ohne Schwürigkeit mit einer Hand führen kan; eine kleine Kuh, oder höchstens zwo, und zuweis len nur ein Esel sind zulänglich, ihn beym Pflügen zu ziehen, und ein Mann treibet und hält ihn zugleich, so leichte, daß er insgemein dabey seine Pfeife mit rauchet. Der Verfasser giebt hierauf ein weitläuftiges Verzeichnis, der Gewächse, die um Aleppo herum erbauet werden, oder auch im Freyen Felde wachsen, nebst der Zeit ihrer Blüthe.

Metalle findet man um Aleppo, und so viel der Verfasser weis, in ganz Syrien nicht, obgleich einige Felsen, ihrem Ansehen nach, Eisen zu enthal

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ten scheinen. Thon fehlt ihnen fast ganz und gar, und derjenige, den sie haben, ist so wenig zähe, daß sie nur eine schlechte Art von Ziegeln mit Mühe daraus machen, die sowohl als ihre Wassergefäffe oft zerfallen. Ihr Töpfer und Pfeifen. thon wird von Damascus und Sidon gebracht. Sechs Stunden von Aleppo findet sich eine Walkerde, die man statt der Seife gebraucht, sie wird auch oft von lüsternen Weibesbildern gegessen. Ohngefehr achtzehn Meilen von Aleppo, ist eine grosse Ebene, die man insgemein das Salzthal nennet; sie ist mit niedrigen felsichten Hügeln umgeben, die eine Art von natürlichen. Wasserbehältnisse ausmachen, das den Regen, der von den Hügeln herabläuft, verwahret, wozu auch das Wasser aus einigen benachbarten Quellen kömmt, so, daß den Winter über alles unter Wasser stehet, die Fläche aber ist zu weit und zu eben, als daß sich das Wasser auf eine ansehnliche Weise sammlen könte, daher dunstet es bald aus, und lässt einen Salzkuchen zurücke, der an manchen Orten nicht weniger als einen halben Zoll diŒke ist; er beträgt nach dem Maasse des Regens, der im Winter fällt, mehr oder weniger, und mit dieser Rinde ist die ganze eingeschlossene Ebene bedeckt. Der Boden dieser Ebene ist ein steifer Thon, der stark voll Salz ist, aber in der erwähn-' ten Quelle hat der Verfasser keinen salzigten Geschmack entdecken können. Im August sammlen viel Leute dieses Salz, welches sehr gut ist, und für diese Gegend zureichet.

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