Page images
PDF
EPUB

.

Das wenige Rindvich, das man hier hat, wird vornehmlich gebraucht, den Pflug zu ziehen, oder Wasser in die Gärten zu schaffen. Der gròs ste Theil dessen, das zu diesem Gebrauche angewandt wird, ist sehr gros, mit ansehnlichen lan, gen Schenkeln, und einem magern Bauche, wie man oft auf alten geschnittenen Steinen abgebildet fiehet. Das übrige Vieh dieser Art ist klein, und alles überhaupt hat sehr kurze Hörner. Die Tür ken und Juden essen fast nie Rindfleisch, und die Christen haben es nur seit einiger Zeit zu schäßen angefangen, so daß das meiste Rindvieh für Eus ropåer geschlachtet wird. Man hat das Rindfleisch zu allen Zeiten gut, am besten aber im Sommer, da die Einwohner noch ißo die alte Gewohnheit heilig beobachten, den dreschenden Ochsen fressen zu lassen, was er will. Von den Schalen, die wegen ihrer grossen und fetten Schwänze von allen Reisenden sind angemerkt worden, wiegt eines, ohne Kopf, Füsse, Haut, und Eingeweide, ordentlich ungefähr 12 bis 14 Aleppische Rotolors, davon der Schwanz gemeis niglich drey oder noch mehr beträgt; Ein Rotolor ist fünf Pfund. Die gemäßteten aber, von der gröften Art, wiegen zuweilen dreyssig Rotolors, da von der Schwanz zehn ausmacht. Diese groffen Schafe werden um Aleppo in Gärten aufbehalten, wo sie in keiner Gefahr sind, ihre Schwänze zu beschadigen; auf den Feldern aber müssen ihnen die Schäfer ein dunnes Bret unten an die Schwänz ze binden, damit sie solche nicht in Dornen u. d. g. beschá.

Stück.

beschädigen, weil die Schwänze unten nicht wie oben mit dicker Wolle bedeckt sind; zur Erleichte rung des Fortziehens macht man zuweilen Råderchen an dieses Bret, und daher ist die Nachricht : entstanden, daß sie die Schwänze auf Karren nachschleppten.

Die Araber haben eine besondre Art, die Haz sen zuzurichten, welche für sehr gut gehalten wird. Sie machen eine Grube in die Erde, welche sie mit Reisig anfüllen, und solches anzünden. Wenn alles brennt, wird der Hase mit Haut, Eingeweide, und allem, wie man ihn gefangen hat, hinein geworfen. Nachdem die Flamme ausgegangen ist, decken sie die Grube mit der lockern Erde zu, die sie ausgegraben hatten, und die zu vor um das Feuer herum gelegen hatte, so daß fie heis geworden war. So lassen sie ihn liegen, bis sie urtheilen, er sey zulänglich durchgebraten, werfen alsdenn Saiz auf ihn, und verzehren ihn ohne weitere Zurichtung. Die meisten Leckerbissen, welche man um Aleppo haben kan, sind nur für die europäischen Christen oder vornehme Tür. fen. Cameele werden von den Einwohnern zwar häufig Lasten zu tragen gebraucht, aber nicht ge gessen, obgleich die Araber Liebhaber davon sind. Man hat ihrer hier vier Arten. Das Turkma. nische Cameel ist stärker, grösser, haarichter, und von duntierer Farbe, als eines der andern. Seis ne gewöhnliche Ladung ist 160 Rotolors oder 800 Pfund, zuweilen aber trägt es viel mehr. Hihe steht es nicht aus, und daher arbeiten sie mit ihm

Stück.

im Junius, Julius und August nicht. Das arabische Cameel ist viel kleiner, von lichterer Farbe, und nicht so haaricht. Es trägt selten über 100 Rotolors; aber Hiße und Durst steht es besser aus, als das turkmanische, begnügt sich auch mit trocknen Disteln, und andern Pflanzen, die es in der Wüste findet, und immer frisst, indem es mit seiner Last fortgeht. Der Verf. hat in einer Caravane von Bussorah gesehen, daß die Cameele dieser Art funfzehn Tage lang ohne Wasser fortgegangen sind; sie haben aber, als sie an Wasser kamen, so viel getrunken, daß es ihnen geschadet hat. Der Dromedarius ist nach des Verf. Gedanken nur ein hochgezogenes arabisches Cameel, das von lichterer Farbe und besserm Ansehn ist, auch statt des feyerlichen Ganges der Cameele einen ordentlichen Schritt geht, mit dem es in einem Tage so weit kömmt, als die andern in dreyen. Das Cameel mit zween Höckern ist von perfischer Zucht, und hier selten.

Auf den felsichten Hügeln befinden sich Hyånen, aber sie sind nicht so gros, als diejenigen, welche man auf den Gebürgen antrift. Herr Russel theilt die Zergliederung eines solchen Thieres mit, wie er selbige angestellt. Es war etwas grösser als ein grosser Bullenbeisser, dem es sonst in vielen Umständen glich. Seine Farbe war grau, und quer über schwarz gestreift, das Haar harte, und etwas länger als Hundehaar; vom Hintertheile des Kopfs, den Nacken und Rücken hinunter, hat es eine lange weisse Mähne, wie Aristoteles (H.

An.

Stück.

An. L. 8. c. 899.) solche beschrieben hat. Plinius (H. Nat. L. VIII.) meldet, dieses Thier könte seiz nen Hals nicht bewegen; aber diese Meinung ist ungegründet: denn er hat Wirbel, und eine so leichte Bewegung, als bey Hunden. Im todten Auge fand der Verfasser nichts besonders; weil er es aber nicht lebend gesehen, kan er der Nachricht des Plinius nicht widersprechen, daß es tausenderley Veränderungen von Farben mache. Gleich über dem Hintern war eine Deffnung, welche wie eine weibliche Scham aussahe, ben genauerer Un tersuchung aber einem nicht allzu tiefen Sacke zu gehörte, dessen Gebrauch der Verfasser nicht entdecken konte. Dieses hat vielleicht die Erzählung veranlafst, daß das Thier sein Geschlecht jährlich åndere, welches die Einwohner noch glauben. Das männliche Glied unterschied sich von des Hundes seinem darinne, daß es keinen Knochen hatte. Der Hodenbeutel war klein, und schien beym ersten Anblicke nur eine Hode zu enthalten; die andre ward durch die Haut so genau angehalten, daß man sie ausserlich nicht fah. Die zubereitenden und zuführenden Gefässe liessen sich von der Hode durch Muskelringe zurück verfolgen, aber sie waren zum Unglücke mit dem Eingeweide abgeschnit ten worden, das derjenige, der das Thier geschoffen hatte, weggeworfen hatte, um es leichter zu tragen. Die menschliche Stimme können diese Thiere nicht nachahmen, viel weniger die Schäfer rufen, sie zu verzehren, wie man berichtet hat. Sie scheinen die Heerden lieber zu haben, als den

1 Stück.

Hirten, und greifen Menschen nicht an, als zu ihrer Vertheidigung, oder bey ausserordentlichem Hunger; Begräbnisse aber berauben sie. Von den Hunden ist merkwürdig, daß keiner toll wird, ob sie gleich im Sommer so grosse Hiße ausstehn, und meistens von faulen Sachen leben. Die Wöl fe aber scheinen rasend zu werden. Denn die Bauren reden von einem Thiere, das ein Mittelding zwischen Wolf und Hund seyn soll, und das sie vom Wolfe in nichts zu unterscheiden wissen; es fällt aber alles an, was ihm in den Weg kömmt, und die gebissenen Thiere oder Menschen werden toll.

Die Gewohnheit, sich der Tauben zum Brieftragen zn bedienen, ist hier seit vielen Jahren abgekommen. Wild zu schiessen, ist für viele Einwohner ein Mittel, ihren Unterhalt zu erwerben, zur Lust thun es wenig; die Vornehmen aber er. gößen sich mit Falken und Habichten. Mit einem Habichte, Shaheen genannt, der von der Grösse einer Taube ist, fangen sie oft die grössten Adler, die hier in Menge sind. Vormals wurden sie ab. gerichtet, den Adler unter dem Flügel anzufallen, wodurch sie ihm den Gebrauch dieses Theils benahmen, daß sie also mit einander zu Grunde fielen, iho aber werden sie gelehrt, ihn zwischen beyden Flügeln anzufallen, welches eben die Folge hat, aber sie langsamer herunter bringt, so daß der Falkenierer Zeit hat, seinem Habichte zu Hülfe zu kommen. Denn wenn er dieses nicht bald

thut,

« EelmineJätka »