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von Hagedorn.

(Folgende sehr gefällig eingekleidete Erzählung von ihm, ist vornehmlich dem la Fontaine nacherzählt, der sie aus åltern Quellen nahm. Auch beim Burkard Waldis kommt fie vor. Nur ist bei beiden die Hauptperson ein Schuhflicker, und fast scheint es, als habe der deutsche Dichter den Savétier des französischen für einen Savonnier genommen.)

Johann, der Seifensieder.

Johann, der muntre Seifensieder,
Erlernte viele schöne Lieder,

Und sang mit unbesorgtem Sinn
Vom Morgen bis zum Abend hin.

Sein Tagwerk konnt ihm Nahrung bringen;
Und wenn er aß so mußt er singen;
Und wenn er sang so wars mit Lust,
Aus vollem Hals und freier Brust.
Beim Morgenbrod, beim Abendessen
Blieb Ton und Triller unvergessen;
Der schallte recht; und seine Kraft
Durchdrang die halbe Nachbarschaft.

Man horcht; man fragt; wer singt schon wieder?
Wer ists? Der muntere Seifensïeder.

Im Lesen war er anfangs schwach;

Er las nichts als den Almanach,
Doch lernt er auch nach Jahren beten,
Die Ordnung nicht zu übertreten,
Und schlief dem Nachbar gleich zu sein
Oft singend, dftrer lesend ein.
Er schien fast glücklicher zu preisen
Als die berufnen sieben Weisen,
Als manches Haupt gelehrter Welt,
Das sich schon für den achten hält.

von Hage: dorn.

von hage: dorn.

Es wohnte diesem in der Nähe
Ein Sprößling eigennützger Ehe,
Der, stolz und steif und bürgerlich,
Im Schmausen keinem Fürsten wich:
Ein Garkoch richtender Verwandten,
Der Schwäger, Vettern, Nichten, Tanten,
Der stets zu halben Nächten fraß,
Und seiner Wechsel oft vergaß.

Kaum hatte mit den Morgenstunden
Sein erster Schlaf sich eingefunden;
So ließ ihm den Genuß der Ruh,
Der nahe Sånger nimmer zu.

Zum Henter! lårmst du dort schon wieder
Vermaledeiter Seifensieder?

Ach wäre doch zu meinem Heil
Der Schlaf hier, wie die Austern, feil!

Den Sånger, den er früh vernommen,
Låßt er an einem Morgen kommen,
Und spricht: Mein lustiger Johann,
Wie geht es euch? Wie fangt ihrs an?
Es rühmt ein jeder eure Waare:
Sagt, wie viel bringt sie euch im Jahre?

Im Jahre, Herr? mir fällt nicht bei,
Wie groß im Jahr mein Vortheil sei.
So rechn' ich nicht! ein Tag bescheret,
Was der so auf ihn kömmt, verzehret.
Das folgt im Jahr (ich weiß die Zahl
Dreihundert fünf und sechszig mal.
Ganz recht doch könnt ihr mirs nicht sagen,
Was pflegt ein Tag wohl einzutragen?

Mein Herr, ihr forschet allzu sehr:

Der eine wenig, mancher mehr;

So wies dann fållt; mich zwingt zur Klage
Nichts, als die vielen Feiertage;

Und wer sie alle roth gefärbt,

Der hatte wohl wie ihr geerbt,

Dem

Dem war die Arbeit sehr zuwider;

von hage dorn.

Das war gewiß kein Seifensieder.

Dieß schien den Reichen zu erfreun.
Hans, spricht er, du sollst glücklich sein.
Iht bist du nur ein schlechter Praler.
Da hast du baare funfzig Thaler,
Nur unterlasse den Gesang,

Das Geld hat einen bessern Klang.

Er dankt, und schleicht mit scheuhem Blicke,

Mit mehr als diebscher Furcht zurücke.

Er herzt den Beutel den er hålt,

Und zählt, und wågt, und schwenkt das Geld,

Das Geld, den Ursprung seiner Freude,
Und seiner Augen neue Weide.

Es wird mit stummer Lust beschaut,

Und einem Kasten anvertraut,
Den Band und starke Schlösser hüten,
Beim Einbruch Dieben Troß zu bieten,
Den auch der karge Thor bei Nacht
Aus banger Vorsicht selbst bewacht.
So bald sich nur der Haushund reget,
So bald der Kater sich beweget,
Durchsucht er alles bis er glaubt
Daß ihn kein frecher Dieb beraubt,
Bis oft gestoßen, oft geschmissen,
Sich endlich beide packen müssen;
Sein Mops der keine Kunst vergaß,
Und wedelnd bei dem Kessel saß;
Sein Hinz der Liebling junger Kagen,
So glatt von Fell so weich von Tagen.

Er lernt zuleht, je mehr er spart,
Wie oft sich Sorg und Reichthum paart,
Und manches Zärtlings dunkle Freuden
Ihn ewig von der Freiheit scheiden,
Die nur in reine Seelen strahlt,
Und deren Glück kein Gold bezahlt.

Dem

1

von hage:
dorn.

Dem Nachbar den er stets gewecket,
Bis der das Geld ihm zugestecket,
Dem stellt er bald aus Lust zur Ruh
Den vollen Beutel wieder zu,

Und spricht: Herr! lehrt mich beßre Sachen
Als start des Singens, Geld bewachen,
Nehmt immer euren Beutel hin,
Und laßt mir meinen frohen Sinn.
Fahrt fort mich heimlich zu beneiden,
Ich tausche nicht mit euren Freuden.
Der Himmel hat mich recht geliebt
Der mir die Stimme wieder giebt.
Was ich gewesen werd ich wieder:
Johann, der muntre Seifensieder.

Rost.

Rost.

(Die Schäfererzählungen von Johann Christoph Rost, geboren 1717, gestorben 1765 als Obersteuersekretär zu Dresden, bleiben immer noch als eine im Jahre 1742 in ihrer Art seltne und einzelne Erscheinung merkwürdig, wenn sie gleich in den neuern Zeiten durch andre dichtrische Produkte ähnlicher Art, in allem Betracht, gar sehr übertroffen find. Es giebt unter ihnen noch långere und dem Dichter weit besser gelungene, als die folgende ist; besonders haben, seine spåtern Gedichte, die Nachtigall, und die Brautz nacht, weit mehr wahre Poesie des Styls. Aber es kar hier darauf an, eine der kürzern und minder anfidßigen su wählen.)

Der blöde, Schäfer.

ft sind die Schåferinnen sprdde,
Und fliehn aus Eigensinn der Hirten zärtlichkeit;
Oft aber machen sie zur Lust Gelegenheit,
Und dann ist oft der Schäfer gar zu blöde.

Doch, welcher dieses ist,

Und nur sein Glück aus Furcht vergißt,

Und nichts bei seiner Liebe weget,

Der ist nicht werth, daß ihr ein Mensch beklaget.

Ein junger Schäfer, Filimen,

War von Natur verliest, auch zum Gefallen schön;
Es eiferten die Schöferinnen,

Die Gunst des Jvaglings zu gewinnen.

Wie mancher Strauß, wie manches Band

Ward seinetwegen nicht zum Püßen angewandt!

Die eine sang ihm oft ein zårtlichs Hirtenlied;

Die andre war bemüht,

Sein Herz ihm durch den Tanz zu fangen;
Allein zuleht bereuten sie

Doch alle die verlorne Müh,

Nebst dem verrathenen Verlangen.

Rost.

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