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Rost.

Die Furchtsamkeit
Hielt jederzeit

Den Antrag Filimen's zurücke.

Kaum sprach sein Herz noch durch die Blicke.
Er gieng zu mancher Schäferin

Oft mit dem festen Vorsak hin,

Ihr lauter zårtliches zu sagen;

Umsonst! er konnt' es niemals wagen.

Und hått' ihn Eine nur um seine Gunst gefragt,
So hatt' er, glaub' ich, Ja! gesagt;

Doch welche Nymphe wird hierum den Schäfer fras
gen?

Nur Dafne war in ihn zu sehr verliebt,
So, daß sie auf die stärksten Mittel dachte,
Wodurh sie sich den Schäfer eigen machte.
Was sie seschloß, ward standhaft ausgeübt.

Das, wis die Schönen sonst nur zu erwarten pfle

gen,

Vergaß sie, tirer Liebe wegen.

Was allemal de Hirten selbst gethan,

Thar fie, und redte den blöden Schäfer an.

Sie sagt ihm, daß er unter allen

Ihr einzig und allein. gefallen;

Nichts fiel ihr zu bekenien schwer;

Sie sagt ihm dieß; wer weiß, ob nicht noch mehr?

Er dankt' ihr für die Zårrichkeit,

Und war vergnügt, und that erfreut.

Allein zu mehrerem sich zu entschließen,

Fiel ihm zwar öfters ein;

Jedoch sein Muth war viel zu klein,
Sie auf das erstemal zu küssen.

Was dachte Dafne wohl hierbei?

Sie sprach ihn zwar nicht von dem Fehler frei;
Doch glaubte sie, anstatt ihn höhnisch zu verlachen,
Ihr Umgang würd' ihn wohl noch endlich herzhaft ma
chen.

Umsonst! er tam, sprach nichts, gieng furchtsam wies
der fort;

Und was er ja noch sprach, war ein erfragtes Wort;
Doch ließ er stets die lächerliche Klage hören,
Wie grausam das Geschick und seine Dafne wåren.

Man mußte hier so sehr, als Dafne, zårtlich
sein,

Ihm statt der Rache zu verzeihn.

Sie nahm sich endlich vor, das leßte zu probiren,
Und ihn durch eine kleine List,

Die in der Liebe sonst ein sichres Mittel ist,

Zu seinen Pflichten anzuführen.

Einst warf die junge Schäferin,

Sich, eh er kam, bei seiner Heerde hin,
Als wåre sie bei ihren Schafen

Vor Hiß und Müdigkeit ein wenig eingeschlafen.
Ihr runder Arm macht ihr das harte Lager weich,
Und ihre Hand vor ihren Augen Schatten,
Die mehr zu lauschen als zu schlummern hatten.
Dem Busen war mit Fleiß das Oberkleid zu kurz;
Ihr kleiner Schäferschurz

Ward noch daneben

Der warmen Mittagsluft zum Spielen übergeben.
Sie hatte sich die Stellung ausgedacht,

Die blöde Schäfer klug, und kluge lüstern macht.
Sie lag, und lernte schon, wie sie erschrecken
wollte,

Wenn Filimen sie küssend wecken sollte.

Er kam; doch, weil er sie in diesem Schlummer sah,
So trat er ihr kaum noch mit leisen Schritten nah.
Der Anblick war zu schön; sein Herz fieng an zu
schmachten;

Er konnte hier die Nymphe nicht genug betrachten.
Ihr meinet, daß er nun einmal verwegner war?
Er machte Dafnen nicht sein Dasein offenbar.
Er sprach nichts mehr als dieß: Wie sanft ist ihre
Ruh!

Ihr schönen Augen, bleibt in eurem Schlummer zu!
Ihr Blätter, rauschet nicht, und blöcket_nicht, ihr
Heerden,

Rost.

Roff.

Die schöne Dafne muß durch nichts gestöret werden.
Und hierauf schlich er sich nun ohne Kuß und Wort
Mit leisen Schritten wieder fort.

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Doch Dafne, die er hatte schlummern lassen,
Fieng ihn auf einmal an zu hassen.

Die fehlgeschlagne List hielt sie für ihre Schmach;
Drum sprang sie auf, und schickt

nach:

Du hast dein eignes Glück vermieden,

ihm diese Worte

Und bist der Luft nicht werth, die Dafne dir beschie den.

Er hörte dieß, und lief zurück.
Doch, ein versäumter Augenblick
Wird keinem Hirten wiederkommen.

Auch Dafne hatte hier bereits die Flucht genommen.

Wieland.

(Es giebt eine ganze Folge poetischer Erzählungen von ihm, die man jezt in den sieben Bånden seiner auserlefei nen Gedichte beisammen findet, und als vollendete Meis fterwerke in ihrer Art zu schågen hat." -Nicht alle diese Ers zählungen sind schlechthin komisch; vielmehr hat Herr w. selbst denen darunter, die er ehedem ausdrücklich so benann te, jest den Titel griechischer Erzählungen vorangefeßt. Auch bedarf es dieser strengen Gränzscheidung für solch eine Eattung, und solch einen Dichter nicht, der sich in seinen neuesten Arbeiten dieser Art nicht nur an Fülle des Geistes vollkommen gleich bleibt, sondern sich selbst fast immer noch åbertrifft, wovon seine neueste Erzählung, Clelie und Siniz bald, ein so herrlicher Beweis ist. Von der folgenden ist hier die ziemlich ausgeführte Einleitung, gewiß nicht ihres geringern Werths, sondern bloß der Abkürzung wegen, wegs geblieben.)

Schach £ 0 1 0.

Oder:

Das göttliche Recht der Gewalthaber.
Eine morgenländische Erzählung.

Schach Lolo, erstgebohrner Sohn

Des Firmaments, Oheim von Sonn' und Mon,
Herr im Zodiakus, des großen Båren Vetter,
Gebieter über Wind und Wetter,

Etcåtera, regierte, wie man's heißt,

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Im großen Scheshian. Kein sonderlicher Geist!
Die reine Wahrheit zu gestehen,

Er überließ das Werk den Göttern und den Feen;
Und wenn's nicht desto besser gieng,

War's seine Schuld? Von seiner Art zu leben
Euch einen Schattenriß zu geben,

Nehmt Einen Tag; denn wie er den begieng
So gieng es Tag vor Tag in seinem ganzen Leben.
Beisp. S. 1. B.

Wieland.

Wieland. Es war das achte Quafi-Leben

Der Götter Epikurs. - Nachdem er Nachts zuvor,
Allmählich eingelullt von füßen Sängerinnen,

Den lehten Dienst erschlaffter Sinnen
In Strömen süßen Weins verlohr;

Und, matt und welk wie ein zerknicktes Rohr,
Nun zwischen zwo Cirkasserinnen

(Die er, damit sie doch zu Etwas brauchbar sind,
Für Polster braucht) das alte Wiegenkind
Entschlummert ist, und ohne sich zu regen
Die Nacht durch weintodt da gelegen:
Entrüttelt ihn, so wie zum Frühgebet

Der Iman ruft, ein Kammerling dem Schlummer.
Schach Lolo streckt sich, gähnt, bohrt in der Nase, dreht
Die Augen, und so fort

-

kurz, steht ein wenig dum:

mer

Als gestern auf, verrichtet sein Gebet,

Wird dann gekämmt, gewaschen, angezogen,
Beräuchert, nimmt sein Frühstück, geht

In seinen Divan-wo, so bald die goldne Thüre
In ihren Angeln knarrt, die Emirn und Veziere,
Als Erdgeschöpfe, die den Glanz der Majestät
Mit bloßen Augen nicht ertragen,

An seines Thrones Fuß die Sclavenstirnen schlagen.
Der Großvezier verrichtet nun sein Amt,
Und Lolo, der indeß mit hohen Augenbrauen
Im Saale siht und sich mit Betelkauen
Die Zeit vertreibt, begnadigt und verdammt,
So wie sichs trifft, die Bösen und die Frommen.
Indessen wirds Mittag; die Kämmerlinge kommen,
Es öffnet sich zum hohen Göttermaal

Ein Augenblendender gewölbter Speisesaal.

Das Maal (um kurz zu sein) wird reichlich eingenom

men,

Und nun passirt mein Schach in einen zweiten Saal,
Noch größer, herrlicher, und schimmernder als jener,
Wo, zum Verdauungswerk bestimmt,

Ein weicher Lehnstuhl ihn in seine Arme nimmt.
Zween Chöre Nymphen, eine schöner

Als wie die andere, weiß und rund

on

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