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Den Häßlichen entzündeten die Reize

von Nicolai

Der Schönen, und sein Reichthum schien

dem

Geize

Der Weltern ein gewisser Ruf,

Daß ihn für sie der Himmel schuf.

Nicht, daß das gute Kind gleich ihnen dachte,

Sie wünscht ihn nicht; allein sie wich, und lernte

bald

Daß ihres Gatten håßliche Gestalt

Das leichtste war, was ihn beschwerlich machte.
Geiz, Eifersucht und Tyrannei,

Dieß waren Fehler hårter zu verdauen;

Und die bewiesen ihr, wie selten für die Frauen
Zufriedenheit die Frucht der Ehe sei.

Je sicherer der Balg es selber wußte,
Daß ihn Getrude hassen mußte,

Je hårter ward er ihr, je mehr wuchs ihre Pein,
Und keine Seele ließ er, sie zu trösten, ein.
Als Wächter saß er einst an einem Osterfeste

In seiner blauen Wollenweste

Am Thore. Müßig sah er in die Gegend hin,
Und sah von weitem her drei muntre Gåste,
Drei Sånger, auf der Straße ziehn.

Sie trugen jeder eine blaue Wollenweste,

Wie er, und jeder trug sogar

Auch einen Höcker, seinem Höcker auf ein Haar

So gleich, daß es nicht zu bestimmen war,

Dieß sei der kleinste, dieß der größte.

Sie kommen, bleiben stehn, und sehn ihn schalkhaft

an.

Gott grüß' Euch, Bruder und Kumpan!

So rufen sie, und zeigen ihm die schiefen Rücken.
Wir kommen auf das Fest, uns unter Eurem Dach
Mit Trank und Speise zu erquicken.

Der Junker, sonst zum Zorne, jach,

Giebt diesesmal der muntern Laune nach;

Halt durch den dreisten Scherz sich eben nicht verlehet
An seiner Ehre, führt sie nach der Küche, sehet,
Hier ihnen Speck und Linsen vor,

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von Nicolai. Dann eine kalte Gans, und Eier in der Pfanne,
Auch Firnewein, für jeden eine Kanne;

Und wacker kaut und zieht der, kleine Chor.
Nach rein geleckten Schüsseln führet er sie wieder
Hinaus. Hiermir gehabt euch wohl, ihr Brüder!
Spricht er; doch merket euch dieß Schloß und dieses
Thor,

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Ertapp' ich jemals euch auf dieser Schwelle wieder,
Seht ihr das Wasser dort? in dieses fliegt ihr nieder.
Euch Flegeln diene dieß zum Unterricht,
Wie man mit einem Junker spricht.
Stumm gaffen sie ihn an, und drehn
Brücke,

sich nach der

Er nach dem Felde zu. Sie schielen oft zurücke,
Und kaum verliert er sich aus ihrem Blicke,
So fangen sie zu hüpfen und zu ́ lachen an,
Und singen, was nur ihre Kehle kann.

Von ihrer hohen Kammer hört ihr frohes Schreien
Des Junkers armes Weib, und spricht

Zu Liesen: Sollten wir uns nicht,

Gleich andern, auf das Fest an einem Lied erfreun?
Mein Mann ist weit, und wird es lange sein,

Die Zofe rufet von der Brücke,

Das Trio nach der Burg zurücke,

Und führt es bei Getruden ein.

Man schließt die Thüren fest, und nun beginnen,

Das vom berrognen Eifersücht'gen spricht,

Das auf den Geiz der Månner sticht,

Wird ausgekramt. Aus vollem Halse lacht die Zofe;

Auch in Getrudens Auge glüht

Geheime Luft. Doch schnell, als sie durchs Fenster

sieht,

Erblicket sie den Junker auf dem Hofe.

Wem bange ward, das waren unsre drei.
Getrude selbst war nicht von Schrecken frei.
Die Zofe råth, geschwind die Sänger zu verstecken.
Sie spricht: Drei leere Kisten stehen gleich
Am Bette hier, in jede kann sich Einer strecken,
Und sich den Mund, damit der Junker euch
Nicht athmen hört, mit einem Küssen decken.

Kaum

Kaum ist der Rath befolgt, so tritt der Junker ein: vonticolats „Wie schon die Sonne sticht! da wollt ich nach der Mühle:

„Das brannte dir. Da geh' ein Andrer! nein,
„Ich eher nicht, als Abends bei der Kühle.

Was thun wir bis dahin! Gebt. Karten her zum
Spiele!"

Getrude weigert sich, vergebens! er befiehlt.
Getrude wiederholet oft: Mich dünket,
Die Hiße fällt, die Sonne sinket.

Umsonst! Drei volle Stunden wird gespielt.

Nun bricht er auf. Doch was? er nahet sich dem
Bette?

Riecht er die Buckligen? Vielleicht!

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Ach nein! er nimmt den Hut. Nun noch ein Kuß! Er
schleicht

Dießmal, als ob er Blei in beiden Füßen hätte.
Jht ist er fort. Geschwind die Kisten vorgerückt!
Die Schlösser los! Die Küssen weggenommen!
Ihr Herren, auf! Könnt ihr nicht auf die Beine
kommen?

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Hilf ihnen, Liese! Himmel! alle drei er: stickt!

Das ist ein Schlag, das ist ein Schrecken!

Fast wünschet sich Getrude mit erstickt zu sein.
Doch leeres Winseln wird die Todten nicht erwe
cken;

Rath brauchet es, sich schnell von ihnen zu befrein.
Sie steigt hinab, bleibt in der Pforte stehen,
Sieht einen starken Bauren auf der Straße gehen,
„Freund, wårst du gerne reich?“. Ei ja! versuchts,

und seht,

Ob mir es nicht so gut, als jedem andern steht.
"Nun dreißig baare Thaler, siehe,
„Die kannst du mit geringer Mühe
"Gewinnen." Dreißig Thaler!

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„Blank und

Er schwöret, nichts zu faz

gen.

ponticolai, Sie führet ihn mit sich hinauf,

Schließt eine nur der Kisten auf,

Und heißt ihn diesen Leichnam nach dem Bache tras gen.

Er fodert einen Sack, faßt herzhaft bei dem Kragen
Den Krüppel an, schiebt ihn hinein, trågt ihn das
von,

Und wirft ihn glücklich von der Brücke
Ins Wasser, tehret froh zurücke,

Weis't den geleerten Sack, und fodert selnen Lohn.
Den gåb' ich dir sogleich, wenn ich nicht sicher wüßte,
„Du hast die Arbeit nicht gethan,

Zu der du dich verdinget. Sieh nur selber an, „Da liegt der Bucklige noch in derselben Kiste.

Den zweiten weis't sie ihm. Er stußet. Schau doch,

schau,

Den Rekel! dacht' ich doch, ich hått' ihn wohl vergras
ben.

Wie Henters tam er denn zurücke, gnåd'ge Frau?
Der Schuft muß mich beheret haben.

Doch, laßt es sein! mich necken laß ich nicht.

nun

Mag er den zweiten Sprung ein wenig tiefer thun.
Er packt ihn ein. Mit einem Stricke

Versichert er den untersuchten Sack,

Und trägt ihn wieder huckepack

Davon, und stürzt ihn von der Brücke,

Den Kopf zuerst, hinab, und steht,

Und warter, bis er untergeht;

Dann eilt er, seines Lohns gewiß, zurücke.

(Die dritte Kiste ward indeß voran gesetzt)

Und

Nun, dießmal, gnåd'ge Frau, hab ich ihn recht ge

neßt.

Ich warf ihn in des Baches Mitte,

Der kömmt nicht mehr, — „Laß sehn!" Der Bauer prellt drei Schritte

Zurück:

Da liegt er wieder.

Noth!

Schwere

Wie läuft er denn, der Hund, und ist doch mauses

tobt?

Auch

Auch sie stellt sich erstaunt: Gewiß, mit rechten Dins von Nicolai, gen

„Geht dieß nicht zu.

Du siehst, er ist nicht fortzus
bringen;

„Die dreißig Thaler sind dir nicht gegönnt. “—
Das will ich sehn, beim Element!

Gebt her. Noch einmal will ichs wagen;
Das Ding verdrießt mich allzusehr.
Meinst du, verdammter Buckliger,

Ich habe nichts zu thun, als ewig dich zu tragen?
Er schleppt ihn fluchend fort, geht wieder an den Bach,
Bewaffnet ihm den Hals mit einem großen Steine,
Und wirft ihn sammt dem Sack hinab, und ruft ihm
nach:

Da liege, Hund! kömmst du mir wieder auf die
Beine,

So siehe zu. Mir sollst du nicht entgehn,

Dafür mag dir mein Knüttel stehn.

Der erste Gegenstand, den er auf seinem Wege

Zum Schlosse findet, ist der Edelmann,

Der von der Mühle kömmt. Was? fångt der Bauer

an,

Ist heut die ganze Hölle mich zu necken rege?

Ich will doch sehn, wer endlich Meister wird.
Er holet aus, sein Knüttel schwirrt,

Der Junker fällt, er schleppt ihn nach der Brücke,
Stößt ihn hinab, und ruft: Da! schwimme mehr zus
rücke!

Nun kehrt er siegreich um: Nicht wahr?

Der Höcker hat sich wohl nicht wieder eingestellet?
Doch seht, es fehlte nicht ein Haar,

So hatt' er mich zum viertenmal geprellet.

Mit einem Stein versenkt' ich ihn;

Und dennoch glaubt Ihrs wohl? kaum gieng ich noch

ein Streckchen,

So lief er, nicht mehr todt, lief lebend vor mir hin,
Mit seinem runden Haar, und seinem blauen Jack

chen.

Doch mit dem Knüttel hier hab' ich ihn so begrüßt,
Daß ihm der Kihel nun gewiß vergangen ist.

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