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Die Pfauen sahen dieß, beraubten ihr Gefieder
Des Schmucks, den sie geborgt, und mit ihm aller
Pracht.

Der kaum gewordne Pfau ward eine Kråhe wieder,
Und selbst von Schwalben ausgelacht.

Als einst ein Reimer seine Lieder
Mit fremder Kühnheit ausgeschmückt,
Besang er sich, von sich entzückt,
Und hieß die Dichter seine Brüder.
Er drångte stolz in ihre Zunft sich ein,
und dünfte sich ein Haller schon zu sein.
Die Dichter sahen dieß, beraubten seine Lieder
Des Wises, den er stahl. Wo war nun seine Pracht?
Der neue Haller ward ein seichter Reimer wieder,
und selbst von Dunsen ausgelacht.

Michael is.

(Der erste öffentliche Versuch eines zu früh verstorbenen, mit trefflichen Anlagen versehenen Dichters, Johann Bens jamin Michaelis, geboren 1747, geftorben 1772, waren seine Fabeln, Lieder und Satyren. Jene sind in der Gellertischen Manier geschrieben; und ihr Verdienst ist Leichtigkeit der Wendung, und anziehende Munterkeit des Vortrages.)

Der Bauer unter der Eiche.

Ein Bauer wanderte, sein Essen zu genießen,
Dem Schatten eines Eichbaums zu:
Und jähnte schon bei jedem Bissen
Recht herzlich nach der Mittagsruh.

Gewohnt von Jugend auf zu zänkischen Gedanken

That

J. A. Schles gel. Michaelis.

Michaelis, That lang ihm schon sein gnådger Herr nicht recht, Oft predigte der Pfarr zu schlecht:

Jeht aber kam ihm ein, einmal mit Gott zu zan

Gelegenheit war da!

fen.

Er sah die Eicheln an. Da steht nun, rief er aus, und überschlug die Ar men,

Ist das nicht ewig zu erbarmen!

Da steht nun so ein Baum der Kirchen tragen kann:
Und hier und da ein Nüßgen dran.

Allein, mein Blut, man darf nichts sagen;
Denn fagt man was, so gehts an ein Verklagen;
Da nimmt der Superdent gar artig uns herum,
Und schreibt wohl gar ins Consistorium.
Nur schieb ich jeden ins Gewissen
Ob sich ein Kürbs zum Stengel schickt.
Ich sehs bei mir die meisten sind zerknickt
Das hatt mir anders werden müssen!

Gerade umgekehrt!

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Hier sollten Kürbse sein!

Er sprachs und jähnt und schlummert ein.

Zum Unglück stieß ein Nordwind in die Eiche:

Und eine kleine Eichel traf

Derb unsern Bauer auf den Schlaf.

Hilf Himmel! fuhr er auf, und fühlte nach dem
Streiche-

Ist das ein Schmerz! - was hab ich Thor gedacht?
Wenns nun ein Kürbs gewesen wäre? -
Verzeih mirs Gott! und ewig sei ihm Ehre!
Denn er hat alles wohl gemacht.

(Auch diesen Dichter, Johann Gottlieb Willamov, geboren 1736, geftorben als Professor zu Petersburg, 1778, verlor die deutsche Dichtkunst, besonders die lyrische, zu frühs zeitig. Seine dialogischen Fabeln haben das eigne, daß die in ihnen handelnden Wesen allein darin reden, ohne daß der Dichter ihre Reden durch seine Erzählung einleitet, oder unterbricht. Dieß erhöht die Lebhaftigkeit, wiewohl der Umfang der Handlung oft zu sehr dadurch beschränkt wird.)

Die Kahe. Die alte Maus. Die junge Maus.

Willamov.

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So komm doch! Siehe, diese Nüsse

Sind alle dein, wenn ich dich Einmal küffe.

Junge Maus.

O Mutter, höre doch, wie sie so freundlich spricht;
Ich geh....

Alte Maus.

Kind, gehe nicht!

Razze.

Auch dieses Zuckerbrot, und andre schöne Sachen
Geb' ich dir, wenn du kommst.

Junge Maus.

Was soll ich machen?

Mutter, laß mich gehn.

Alte

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Ach Mutter, hilf! `ach weh!

Sie würgt mich; ach! die Garftige!

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Nun ists zu spåt, nun dich das Unglück schon betroffen.

Wer sich nicht rathen läßt, hat Hülfe nicht zu hoffen.

Zachari å.

(Friedrich Wilhelm Zacharia, geboren 1726, gestorben als Professor in Braunschweig, 1777, verfertigte 61 Fabeln und Erzählungen in Burkard Waldis Manier, worin er die diesem Dichter eigne Naivetät, Treuherzigkeit und Laune sehr glücklich beibehielt.)

Die Spinne und das Podagra.

Das Podagra und eine Spinne,
Geführt von ihrem Eigensinne,
Entschlossen sich, die Welt zu sehn,
Und Abentheuern nachzugehn.
Sie trafen unterwegs sich an,
und grüßten sich da sie sich sahn,
So leicht, so artig und galant,

A's

Zacharid.

Als hätten sie sich längst gekannt.
Ich dachte, sprach das Podagra,
Wir feßten nach dem Dorfe da
Zusammen unsre Reise fort.
Es scheint ein wohlgelegner Ort,
Und sind Madam so můð als ich,
So wird uns beiden, sicherlich!
Jedwede Herberg, groß und klein,
Auf diese Nacht willkommen sein.
Der Spinne war das eben recht:
Sie kamen an das Dorf. Geschwächt,
Hinfällig, kraftlos, und halb lahm,
Erlag das Podagra, und nahm
So bald als möglich, voll Begier,
Beim ersten Bauer das Quartier.
Die Spinne hielt sich für gescheidter,
Und nahm den Weg noch etwas weiter,
Bis zu des Edelmannes Haus;
Hier wählt sie einen Saal sich aus,
In welchem man mit großem Prachte,
Zu einem Gastmahl Anstalt machte.
Sogleich nahm sie nach ihrem Wih
Von einem Fensterrahm Besik;
Hub an, mit emsigen Bestreben
Viel ihrer Fåden anzukleben:
Doch eh ihr Neh noch fertig war,
Nimmt eine Stubenmagd es wahr,
Die mit dem Besen drüber fährt,
Und unbarmherzig es zerstört.
Die Spinne hub von neuem an
Zu weben, wie sie erst gethan;

Da ward der Saal voll Herrn und Damen,
Mit denen viel Lakaien kamen.

Ein naseweiser Bursche sah

Der Spinne Net, und rief: sieh da!
Was machst du hier? und stieß so gleich
Den Huth quer durch ihr Fadenreich;
Die Spinne ließ sichs nicht verdrießen,
Und heftete mit muntern Füßen
Ihr hangend halb zerstörtes Nest.
Zum drittenmal am Fenster fest.
Beisp. S. 1.B.

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