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Wieland. Auf seinen Thron zurückgelehnt,

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In Dubans Buch. Nun hatte Lolo, neben
Mehr Unmanieren, auch sich diese angewöhnt,
Daß er, so oft ein Blatt in einem Buch zu heben
Und umzuwenden war, bei jedem Blatt
Den Finger erst an seiner Zunge neßte,
Bevor er ans Papier ihn seßte.

Da nun die Blåtter etwas glatt

Und klebricht waren, schien's hier um so mehr vonný

then.

So schlägt er nach und nach, den Finger stets am
Mund,

Bis auf das sechste um, beguckt es ernstlich rund
Herum, und ist gar mächtiglich betreten,

Zu sehen, daß darauf nicht eine Sylbe stund.

Da ist ja Nichts!"

" Nur zwei, drei Blåtter weiter,

Ruft Dubans Kopf, der nun ganz frei und heiter

Auf seinem Rumpfe stund; ich habe mich am Blatt
Geirret, scheints.

Schach Lolo blåttert weiter,

Doch, eh er drei noch umgeschlagen hat,
Ist schon das Gift, das er von jedem Blatt
Mit feuchtem Finger seiner Zungen

Unwissend mitgetheilt, ihm bis ins Herz gedrungen.
Ein wilder Schmerz fährt zuckend wie ein Blih
Durch sein Gebein, ihm schwindelts im Gehirne,
Und dunkel wirds um seine kalte Stirne,
Er stürzt herab von seinem goldnen Thron,
Und liegt in Zuckungen, und ringet mit dem Todė.

Wohlan (ruft Dubans Kopf, der nun in seinen
Rumpf

Sich wieder eingesenkt) du nickende Pagode!
Am Herzen kalt, an Sinnen stumpf,

Hab's an dir selbst! Ich bin an deinem Tode

Unschuldiger als du. —

Kann Duban nicht.

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Zum letztenmale dir mit heißen Thrånen flehte,
War's Menschlichkeit was mich dazu betrog:
Dein böser Dåmon überwog; ›

Nun kömmt die Reu und die Moral zu spåte.

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Bei diesem Wort entfuhr dem armen Schach
Der lehte Hauch; betäubt von Schrecken rannen
Die Emirn aus dem Saal, das Volk den Emirn
nach,

Und Duban gieng mit seinem Kopf von dannen.

Wieland.

Wieland. Auf seinen Thron zurückgelehnt,

In Dubans Buch. Nun hatte Lolo, neben
Mehr Unmanieren, auch sich diese angewöhnt,
Daß er, so oft ein Blatt in einem Buch zu heben.
Und umzuwenden war, bei jedem Blatt
Den Finger erst an seiner Zunge neßte,
Bevor er ans Papier ihn seßte.

Da nun die Blåtter etwas glatt

Und klebricht waren, schien's hier um so mehr vonna

then.

So schlägt er nach und nach, den Finger stets an
Mund,

Bis auf das sechste um, beguckt es ernstlich rund
Herum, und ist gar mächtiglich betreten,

Zu sehen, daß darauf nicht eine Sylbė stund.

"Da ist ja Nichts!

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Nur zwei, drei Blåtter weiter,

Ruft Dubans Kopf, der nun ganz frei und heiter
Auf seinem Rumpfe stund; ich habe mich am Blatt
Geirret, scheints.

Schach Lolo blåttert weiter,

Doch, eh er drei noch umgeschlagen hat,
Ist schon das Gift, das er von jedem Blatt
Mit feuchtem Finger seiner Zungen

Unwissend mitgetheilt, ihm bis ins Herz gedrungen.
Ein wilder Schmerz fährt zuckend wie ein Bliz
Durch sein Gebein, ihm schwindelts im Gehirne,
Und dunkel wirds um seine kalte Stirne,
Er stürzt herab von seinem goldnen Thron,
Und liegt in Zuckungen, und ringet mit dem Tode.

Wohlan (ruft Dubans Kopf, der nun in seinen
Rumpf

Sich wieder eingesenkt) du nickende Pagode!

Am Herzen kalt, an Sinnen ftumpf,

Hab's an dir selbst! Ich bin an deinem Tode

Unschuldiger als du. - Doch spotten deines Fall's

Kann Duban nicht.

Als ich um meinen Hals

Bum

Zum lehtenmale dir mit heißen Thrånen flehte,
War's Menschlichkeit was mich dazu betrog:
Dein böser Dåmon überwog; ›

Nun kömmt die Reu und die Moral zu spåte.

Bei diesem Wort entfuhr dem armen Schach
Der lehte Hauch; betäubt von Schrecken rannen
Die Emirn aus dem Saal, das Volk den Emirn
nach,

Und Duban gieng mit seinem Kopf von dannen.

Wieland.

von Cricolai,

von Nicolai.

(Unten werden wir seine Verdienste um das komisch-romantische Heldengedicht kennen lernen. Aber auch die kürz zern Erzählungen sind ihm sehr geglückt, die der neunte Band seiner vermischten Gedichte enthält, und worunter fol gende, gleich mehrern dort befindlichen, aus den von le Grand gesammelten Fabliaux et Contes der alten französischen Poesie genommen, von dem deutschen Dichter aber gar sehr verschönert ist.)

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Ein altes Schloß in Schwabenland,
Das unweit einer Brücken stand,

Sah gegenüber, zwischen zwei bebauten Hügeln,
Ein Gothisch Städtlein sich im hellen Bache spiegeln.
Das Stadtlein und das alte Schloß

Besaßen zwei verschiedne Seltenheiten,
Die zu befehn das Volk von allen Seiten
Des Sonntags nach der Brücke floß.
Aus jenem kam in ihrer Aeltern Mitte

Das schönste Kind dahin Es war der Bürger
Sitte,

Nach angehörter Vesper hier umher zu gehn
Getruden zu bewundern, blieb man stehn,
und folgte, Beifall flüsternd, ihrem Schritte.
Aus diesem kam, nicht minder gierig angesehn,
Der Junker, ein Geschöpf von ganz verschiednem
Schnitte.

So schön sie war, so ungestalt war er;

Klein, mager, krumm; tief in den Schultern steckte
Sein ungeheurer Kopf, den man von hinten her
Des hohen Höckers wegen kaum entdeckte.

Das Glück hingegen hatte, ganz voll Widersinn,
Dem Junker großes Gut, dem Mädchen nichts ver
liehn.

Den

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