Page images
PDF
EPUB

Zacharid.

[ocr errors]

Da trat ein junges Fräulein her,
Das sah am Fenster ungefähr

Die Spinne hangen, und schrie laut:
Ach! Herr Baron, mir graut, mir graut!
Und wies mit Schrecken auf die Spinne.
Kaum ward der Herr Baron sie inne
So zog er wie ein Held den Degen,
Fieng an im Neh herum zu fegen,
So daß mit Noth die Spinn entfam
Und aus dem Saal den Abschied nahm.

Dem Podagra giengs auch fast so,
Es ward der Herberg wenig froh.
Nachdem es lange gnug gesessen,
Sprach es: ich möcht ein wenig effen!
Der Bauer brachte trocken Brod,
Zum Trunk dazu kalt Wasser bot;
Dieß waren nach so langen Reisen
Fürs Podagra sehr schlechte Speisen.
Es aß nicht viel, trank kaum dazu,
Und sprach betrübt: bringt mich zur Ruh!
Da wies der Bauer ihm zum Bette
Gar eine harte Lagerstätte,
Worauf ein wenig Stroh nur lag.
Hier lag es kläglich, bis der Tag
Im Often an zu grauen fieng,
Und seufzend es von dannen gieng.

Es traf die Spinne wieder an,
Die auch kein Auge zugethan,
Und alle beide klagten sich,
Wie elend und wie jämmerlich
Sie beiderseits die vorge Nacht
In Furcht und Sorgen zugebracht;
Ich seh wohl wo der Knoten sist,
Sprach drauf das Podagra. Dir nişt
Zum Aufenthalte kein Palast;
So wie ich niemals Ruh und Rast
Bei schlechten Bauern finden kann.
Drum geh du zu dem armen Mann,

Und

Und ich will deinen Junker sehn,
So soll das Ding wohl besser gehn.

Dieß waren beide wohl zufrieden,
Und beide giengen nun verschieden
Den Weg so wie der Abend kam.
Das Podagra, voll Hoffnung, nahm
Zum Schloß des Junkers seinen Gang;
Und mit welch freudigem Empfang
Ward es von ihm nicht aufgenommen!
Kaum sah er es gehinket kommen:
So nahm ers höflich bei der Hand,
Führts in sein Zimmer; drinnen stand
Ein Sopha mit viel weichen Küssen,
Davon legt er ihm drei zu Füßen,
Und sprach: Ihr Gnaden fordern dreift
Was ihrem Gaum willkommen heißt.
Drauf rief er seine Diener her;
Da ward der Tisch nicht einmal leer
Von Thee, und Kaffee, und Orfade,
Von Chokolat, und Limonade.

Alsdann ward von der Schüsseln Menge
Die große Tafel fast zu enge;
Da kam französisches Ragout
Weit umher dampfend nach Haut Gout,
Schön Rostbeef nach der Britten Art,
Und Austern mit, und ohne Bart;
Dann kamen Austern am Kapaun,
Dann Austern schön gebraten, braun;
Dann wieder Austern in Pasteten,
Dann Fisch mit Austern bis zum tödten;
Und schöne Braten vom Phasan,
Bis auf den feisten Ortolan.
Kurz! alles was die Schmausewelt
Für ächte Leckerbissen hält,
War so im Ueberflusse da,
Als wår es im Hammonia.
Die Weine? ja wer kann die zählen?
Gewiß hier durfte keiner fehlen,
Vom Franzwein bis zum Vin de Cap;

[ocr errors][merged small]

Zacharia.

Zacharia.

So daß das Podagra so gar
Satt bis zum höchsten Ekel war.

Die Spinne trat zum armen Mann
Indeß auch ihre Wallfahrt an.
Sie fand bei ihm ein freies Leben,
Fieng an zu haspeln und zu weben
Nach Herzens Luft mit Füßen, Hånden,
An Thüren, Fenstern, Balken, Wänden,
Und machte sich manch schönes Nez
Nach ihres Eigensinns Geseß;

Rund, mit vielen Stralen, frumm und schief,
Gleich, ungleich, seltsam, flach und tief,

So herrschte sie im ganzen Haus,

Und Niemand stört, und trieb sie aus.

Als drauf die beiden Wanderer
Nach kurzer Zeit von ungefähr
Sich wiedersahn: da rühmten beide,
Mit welcher wahren Lust und Freude
Ihr Leben nun versüßet sei.
Fedwedes blieb der Herberg treu;
Bergnügen war auf beiden Seiten.
Und so wohnt noch zu unsern Zeiten
Die Spinne bei dem Armen gern,
Das Podagra bei großen Herrn.

von Nicolai.

(Gleich den Anfang der schon zu neun Bånden ange: wachsenen Sammlung von Gedichten des Großfürstl. Herrn Kabinetssekretårs von Nicolai, geboren 1737, macht eine Reihe leicht und anmuthig erzählter Fabeln. In der Folge scheint der Dichter diese Laufbahn verlassen zu haben, und hat sich dagegen in das größere Feld der epischen Erzählung gewagt, worin er sich ungemein rühmlich auszeichnet)

Der Rabe und die Eule.

von Nicolai

,,Wann kömmst du doch aus deiner Höhle? „Bann hören wir die Lieder deiner Kehle, Trübselig Stiefkind der Natur?"

Zur Eule sagte dieß der Rabe.

"Ich möchte wissen, was an solcher Kreatur „Minerva wohl gefunden habe."

Du zwingest mich, o Rabe, dir —
Erwiedert sie zwei Gaben anzuzeigen,
Die liebt Minerva sehr an mir;
Allein, ich fand sie nicht an dir:

Ich kann im Finstern sehn, und schweigen.

Das Schilfrohr und die Eiche.

Ein Schilfrohr, welches dicht an einer Eiche
stand,

Sah mitleidvoll auf die gemeinen Schilfe

Des Teichs. „Da stehn die Schwachen sonder

Hülfe!
& 3

Ein

von Nicolai, Ein Zephyr, den ich kaum empfand,
Hat diesen immer ein Orfan geschienen;
Denn kein Måcen steht neben ihnen."

Ein ungeheurer Wirbelwind
Fångt ist aus Norden an zu wehen.
Die Rohre, die am Teiche stehen,.
Und schon gewohnt des Sturmes sind,
Entweichen ihm durch kluges Schmiegen,
Behendes Wanken, tiefes Biegen.
Er rast. Sie widerstehn ihm nie,
Und unbeschädigt läßt er sie.

Der Baum allein steht trohig ihm im Wege.
Laß sehn, spricht Boreas, ob ich ihn nicht er:

lege?

Er holt von neuem aus, und rennt

Mit ausgespannten Flügeln.

fen,

Mit allen Wurzeln ausgeriffen

Liegt der Måcen, und mit ihm der Klient.

Umgeschmis

Pfef

« EelmineJätka »